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Das Copyright und die Verantwortlichkeit für jeden Text bleibt beim jeweiligen Autor.

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Beratungsangebot

über Sinn und Möglichkeiten
psychologischer Beratung und Therapien bei Pädophilen

Autor: Dipl.-Psych. Peter Näf, Zürich


Vorbemerkungen
Wenn ich im folgenden Text von Pädophilen spreche, meine ich immer sogenannte "Kernpädophile". Das sind Pädophile, die Zuneigung, Zärtlichkeit, aber auch sexuelle Gefühle zu Kindern als Teil ihres innersten Wesens empfinden. Ich meine damit nicht:

Ist für Pädophile psychologische Beratung überhaupt sinnvoll?
Aus der Sicht vieler Pädophiler zuerst einmal nicht. Denn von ihnen aus gesehen müsste sich nur die Gesellschaft ändern und einsehen, dass einvernehmliche sexuelle Kontakte zwischen Kindern und Erwachsenen nicht a priori etwas Negatives sind, und sie demzufolge nicht bestrafen. Sie denken oft, dass damit ihre Probleme gelöst wären. Anders die Sicht des überwiegenden Teils der Öffentlichkeit: Pädophile sind kriminell oder krank, deshalb gehören sie ins Gefängnis oder allenfalls zu einem Therapeuten, der sie von der Pädophilie heilt.

Nun gibt es Fachleute die diese gesellschaftliche Ansicht teilen. In vielen Fällen sind es solche, die sich mit der Frage noch gar nie ernsthaft auseinandergesetzt haben oder deren Beratungsstil stark ideologisch gefärbt ist. Eigentlich unprofessionell, denn psychologische Arbeit sollte mit hoher Achtung vor der Persönlichkeit des Ratsuchenden und mit möglichst wenig Ideologie ausgeführt werden. Leider zeigt aber die jüngste Geschichte, dass gerade Fachleute dieses hohe Ziel verraten haben, denken wir nur an die zurzeit ans Tageslicht kommenden Verbrechen der ehemaligen Chefpsychiater der zürcherischen Klinik Burghölzli, Auguste Forel und Eugen Bleuler, die Patienten ohne ihr Wissen sterilisiert haben (Tages-Anzeiger, Kultur, 5. Mai 1999).

Ein therapeutischer Grundsatz lautet, dass nur der Klient selbst die Lösung für seine individuellen Probleme finden kann. Aufgabe des Beraters ist es, ihm dabei mit professionellen Methoden zu helfen, seinen eigenen Weg zu finden.

Es kann deshalb nie Ziel einer Therapie sein, die Pädophilie wegzutherapieren.

Aus der Erfahrung wissen wir ebenso, dass Therapien, die dieses Ziel verfolgen oder auch eine bestimmte Verhaltensweise (z.B. sexuelle Enthaltsamkeit) als Ziel vorgeben, regelmässig scheitern; daher ist die Anbietung solcher Therapien nicht nur unprofessionell, sondern auch unredlich.

Was kann aber eine Beratung oder Therapie einem Pädophilen bringen?
Viele Pädophile leiden unter Depressionen und Angstzuständen. Natürlich wünschen sie sich eine gesellschaftliche Veränderung, die aus ihrer Sicht die Voraussetzung zur Lösung ihrer Probleme wären. Dies ist aber zurzeit wohl illusorisch. Also bleibt ihnen nichts anderes übrig, als einen individuellen Weg zu suchen, wie sie trotz dieser Situation einigermassen zufriedenstellend leben können.

Gerade das Akzeptieren der Persönlichkeit des Pädophilen und das Verständnis für ihn sind der Nährboden, auf dem sich seine Möglichkeiten (nicht nur die sexuellen) erweitern und verbreitern können. Das Ziel ist dann aber nicht das Erfüllen gesellschaftlicher Vorgaben (z.B. Einhalten der Schutzaltersgrenze), sondern die Bereicherung seiner Persönlichkeit.

Ganz besonders nützlich kann eine Beratung sein, wenn ein Pädophiler im Kontakt mit einem Kind ist. In der Gefühlsfülle kann er dann schon einmal seine Bedürfnisse mit denjenigen des Kindes verwechseln. Hier einen Berater an der Seite zu haben, der diese Beziehung ernst nimmt, aber auch Fragezeichen setzt, kann das Kind vor Schaden und auch ihn selbst vor Leid bewahren. Das ist wirksame Prävention.

Allerdings: Die Erfahrung zeigt, dass junge Pädophile, die bereit sind, sexuelle Kontakte einzugehen, oft einigermassen gesund wirken, während solche, die aus Angst vor Gesetzesfolgen diese vermeiden, krank, oft schwer krank und sogar arbeitsunfähig sind.

Hier muss das Dilemma von Berater und Klient anerkannt werden. Der Therapeut darf nicht Vollstrecker von gesellschaftlichen und moralischen Zielsetzungen sein, um so mehr als man weiss, dass andere Kulturen sexuelle Kontakte zwischen Erwachsenen und Minderjährigen ganz anders bewerteten, ohne dass bekannt ist, dass dort die Jugend deshalb problembehafteter war. Andererseits darf der Therapeut auch keine Gesetzesübertretung unterstützen. Wichtig ist, dass der Pädophile hier zu einer bewussten Entscheidung geführt wird, wie er sich verhalten will, und dass in dieser Entscheidung das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen Vorrang hat.

Die gesellschaftliche Situation hindert den Pädophilen oft, eigene Schwächen und Mängel zu erkennen. Er erliegt dann manchmal der Versuchung, seine Probleme (z.B. Kontaktschwierigkeiten, Verklemmtsein, Elterngebundenheit) nur auf die gesellschaftliche Ächtung zurückzuführen. Auch hier kann eine Beratung, die ihm Verständnis entgegenbringt, ihn achtet und akzeptiert, zu höherer Bewusstheit und besserer Lebensqualität führen.

Im folgenden veröffentlichen wir eine Liste von Beraterinnen, Beratern, Therapeutinnen und Therapeuten, deren Berufsverständnis mit der in diesem Beitrag aufgeführten beraterischen Grundhaltung übereinstimmt. In einem Text stellt sich jeder selbst vor, nennt auch seine Ausbildung, seine Ansätze und ob eine krankenkassenpflichtige Behandlung durchgeführt werden kann. Alle haben sich bereit erklärt, ein Informationsgespräch unentgeltlich zu führen.

Unterschied zwischen Beratung und Therapie
Unter Beratung versteht man ein mehr auf die praktische Problemlösung bezogenes Gespräch über eine oder wenige Sitzungen. Unter Therapie eine Behandlung, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckt und die versucht, auch die tieferen Schichten dem Klienten zugänglich zu machen.

In der Praxis ist es oft ratsam, zuerst mit einer Beratung zu beginnen und nur bei Bedarf diese dann in eine Therapie überzuführen.

Wie sucht man sich die Beratungsperson aus?
Am besten lesen Sie unter den obigen Links die Selbstbeschreibungen der betreffenden Personen und treffen so eine erste Wahl. Melden Sie sich dann an und führen Sie ein Informationsgespräch. Wenn Sie sich dabei nicht wohl fühlen, versuchen Sie es ruhig bei einer weiteren Stelle.

© Dipl.-Psych. Peter Näf 1999

Weiterführende Links:

Link Kampagne gegen den sexuellen Missbrauch: Eine tragische Bilanz

Dipl.-Psych Peter Näf zeigt auf, warum sich der Kampf gegen sexuellen Missbrauch in einer Sackgasse befindet und plädiert für eine radikal neue Strategie.

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