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Dipl.-Psych. M. Griesemer.
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Vorbemerkungen des Autors:
Am Mittwoch den 21. Juni 2006 fand in der Bibliothek der Psychiatrie der Universität Tübingen ein Vortrag von Dr. Goecker aus der Charité in Berlin mit dem Titel «Diagnose, Ursachen und Behandlung. der Pädophilie» statt. Im Folgenden möchte ich meine persönlichen Eindrücke und Gedanken zu diesem Vortrag schildern, um dem interessierten Leser die Möglichkeit zu geben, sie mit den eigenen Gedanken, Kritikpunkten und Überlegungen abzugleichen. Diese Zusammenfassung ist explizit nicht vollständig und inhaltlich nicht vom Charité-Team oder irgendeiner anderen Person autorisiert oder überarbeitet. Sie stellt ausschließlich die Gedanken des Autors dar. Sie entstand 2 Monate nach dem Vortrag auf Grundlage der selbst gemachten Notizen und Erinnerung und wurde nur auf formale Aspekte hin von zweiter Seite überprüft. Der Vortrag fand im Rahmen des Mittwochkolloquiums der Psychiatrie der Universität Tübingen in der Bibliothek des Institutes statt. Anwesend waren etwa 25 Personen, davon ca. 10 Studenten (nur 2 Studenten, die anderen Studentinnen) die sich nach meiner Interpretation einen Hörerschein «verdienten» und der Rest Fachpublikum oder Betroffene (Ich weiß von der Anwesenheit eines weiteren mir nicht bekannten Betroffenen).
Der Vortrag:
Nach kurzer Begrüßung des Referenten begann dieser seine Präsentation folgendermaßen: Während ein Bild aus einem Warenhauskatalog an die Leinwand projiziert wurde, welches zwei Männer in Badeshorts zeigte, begann der Referent [im Folgenden «er»] sinngemäß seinen Vortrag mit: «Es ist davon auszugehen, dass die meisten Zuhörerinnen und vielleicht einige Zuhörer im Saal diese Menschen hier attraktiv finden». Während nun das zweite Bild aus dem Katalog welches zwei Frauen in knappen Bikini zeigte an die Wand geworfen wurde, wiederholte er (wieder sinngemäßes Zitat) analog dazu: «Es ist weiterhin davon auszugehen, dass die meisten Zuhörer und evt. einige Zuhörerinnen diese Menschen hier attraktiv finden». Und er führte fort: «Nun gibt es aber auch Menschen, die diese Menschen hier (auf der Leinwand erscheint ein Katalogbild welches einen ca. 9 jährigen Jungen und ein ca. gleich altes Mädchen in Badehose/anzug zeigen) attraktiv finden».
Nach dieser Einleitung begann er ausführlich auf die wissenschaftliche Definition von Pädophilie einzugehen und stellte sehr deutlich fest, dass genau diese Definition in Fachkreisen nicht unumstritten sei. Der Grund dafür sei im Wesentlichen das auch heute noch einige Fachleute Pädophilie als Handlungsbeschreibung und andere als Eigenschaft definieren. Des Weiteren sei der Zeitraum in dem entsprechende Fantasien vorhanden sein müssten um von Pädophilie zu sprechen sehr unpräzise festgelegt und auch schwer festzulegen. Natürlich kommen die offiziellen Definitionen des DSM und des ICD Schemas zur Sprache, welche er nicht unkritisch sieht.
Klar erarbeitet er die Unterschiede zwischen der Eigenschaft Pädophilie und der Handlungsebene auf der sexuelle Handlungen einzuordnen sind. Er kam auf die unterschiedlichen Vorgänge in denen Kinder Adressaten sexuell motivierter Handlungen sind zu sprechen und erklärt die unterschiedlichen Motive der handelnden Erwachsenen (Stichworte: Primärpädophil, Sekundärpädophil, ein Erwachsener der aus bisheriger sexueller Frustration auf Kinder zurückgreift etc.)
Während er anschaulich beschrieb welche körperlichen Reize der Kinder bzw. Jugendlichen einen Pädophilen und welche einen Ephebophilen attrahieren, verliess nach und nach ein wesentlicher Teil der Studentinnenschaft den Vortrag.
Im Folgenden kristallisierte sich für mich heraus dass der Referent der Auffassung ist, und ich denke dies darf an dieser Stelle auf das gesamte Team übertragen werden, dass das Vorhandensein von entsprechenden Fantasien über einen Zeitraum von mehreren Monaten ausschlaggebend für die Einordnung als Mensch mit der Eigenschaft Pädophilie/Ephebophilie ist.
Seine Bemerkung, dass seiner Einschätzung und Erfahrung nach ca. 1% der allgemeinen männlichen Bevölkerung pädophil veranlagt seien, sorgte für reichlich Raunen und Unruhe im übersichtlichen Auditorium.
Die Studie der Charité:
Ziel der Studie der Charité sind die Begleitung und Betreuung pädophiler Männer, damit sie langfristig keine sexuell motivierten Übergriffe begehen (dies solle z.B. durch Erhöhung der Handlungssteuerungs-fähigkeit und ggf. psychologische Stabilisierung geschehen) sowie die umfassende Erhebung wissenschaftlicher Daten zu diesem Personenkreis. Als weiteres wesentliches Ziel für das Charité-Team gab der Referent aber auch die Kommunikation mit Fachleuten in den entsprechenden Institutionen an. An dieser Stelle bemerkte er, dass die große Mehrheit seiner Kollegen aufgrund des Mangels von entsprechender Ausbildung im Bereich der nicht zum sogenannten Hellfeld (Pädophile die der Justiz bekannt sind) gehörenden Pädophilen zum großen Teil auf Basis persönlicher moralischer Vorstellungen und Meinungen mit diesem Klientel arbeiten müssten und es so gut wie keine fundierte wissenschaftliche Studie in diesem Bereich gäbe.
Die Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie fasse ich wie folgt zusammen, möchte aber noch einmal darauf hinweisen das diese Zusammenfassung auf Basis meiner Notizen und Erinnerung entstand, also keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Bei Fragen möchte ich den Leser bitten, sich direkt mit dem Projekt der Charité in Verbindung zu setzen.
Formelle Voraussetzung:
«Innere Voraussetzung»:
Zum Ablauf der Studie möchte ich den Leser auf die Informationsseite der Charité zu diesem Projekt verweisen und nur noch folgende Informationen, die ich aus dem Vortrag mitnahm, weitergeben:
Die Teilnehmer der Studie nehmen mehrmals monatlich, je nach zufälliger Zuordnung, an Gruppen- oder Einzelsitzungen teil, mit dem Ziel einen Umgang mit ihrer Pädophilie im Sinne der oben erwähnten Prämissen zu erlernen bzw. zu festigen. Auf Wunsch werden die Teilnehmer auch medikamentös dabei unterstützt. Von den 36 teilnehmenden Pädophilen wurden nach Wissen des Referenten zum Zeitpunkt des Vortrages fünf Teilnehmer medikamentös unterstützt. Auf Anfrage gab der Referent an, dass nach seinem Kenntnisstand von diesen fünf Personen vier Antidepressiva und einer ein Hormonpräparat zur Unterdrückung des Sexualtriebes in Anspruch nehmen würden.
Teilnehmer an der Studie
(im Vortrag vom 21. Juni 2006):
Zusammenfassende Bemerkungen des Autors:
Während des gesamten Vortrages machte Herr Dr. Goecker einen gut sortierten und überlegten Eindruck. Er besaß nicht die Spontaneität und Schlagkräftigkeit eines mediengewandten Menschen, aber gerade die Natürlichkeit mit der er für ihn selbstverständliche Positionen vorbrachte beeindruckte und überrumpelte den einen oder anderen Fachkollegen, der offensichtlich seine Ansichten auf teilweise sehr andersartige Informationen stützte. Bsp.: Ein Kollege aus dem Publikum erfragte in der anschließenden Diskussion, ob der Referent in seiner Einschätzung zu folgendem Fall mit ihm übereinstimme. Er (der Psychologe) war vor einiger Zeit von einem Gericht beauftragt worden ein Gutachten über evt. vorliegende Pädophilie zu erstellen. Im gegebenen Fall hatte eine Frau einen Säugling mechanisch dazu gebraucht sich sexuell zu stimulieren, indem sie ihn auf ihrem Unterleib rieb. Sie gab an während dieser Prozedur fortwährend Fantasien über erwachsene Männer gehabt zu haben und auch sonst nur an erwachsene Männer zu denken sowie sich zu Kindern und Kleinkindern in keiner Weise sexuell hingezogen zu fühlen. Nach Auffassung des fragenden Psychologen sei durch die sexuelle Handlung mit dem Kind die Vorraussetzung für die Einordnung als pädophile Person gegeben. Dieser Einschätzung widersprach der Referent in ruhiger Weise, jedoch inhaltlich vehement, und wiederholte seine Differenzierung von Pädophilie als Eigenschaft und als Handlungsebene auf der Handlungen zu bewerten seien.
Wie in diesem Fall so auch in anderen Punkten der Diskussion entstand bei mir der Eindruck eines unaufgeregten Wissenschaftlers, der ohne Profilierungsgehabe klar und deutlich eine umstrittene Position vertritt.
Abschließende Worte:
In einigen Diskussionen mit anderen Pädophilen wurden viele Argumente an mich herangetragen warum man sich vor Projekten wie dem der Charité in Acht nehmen sollte und auch warum man sich gerade vor genau diesem Projekt in Acht nehmen sollte. Die inhaltliche Positionierung und Struktur des Projektes in Anbetracht der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung und Aufmerksamkeit halte ich aber auch und gerade nach diesem Vortrag für absolut unterstützenswert. Allgemein bin ich der Auffassung, das wissenschaftliche Ambitionen, sofern sie weder den beteiligten Pädophilen noch anderen Menschen Schaden zufügen, unterstützenswert sind.
Dennoch möchte ich mit warnenden Worten an die Leser schließen, die mit dem Gedanken spielen sich diesem oder anderen wissenschaftlichen Projekten anzuvertrauen. Wie die Charité auch selbst angibt, richtet sich dieses Projekt an Menschen die aufgrund ihrer Pädophilie massiv leiden und Angst vor sich selbst bzw. dem eigenen Handeln haben. Jeder der sich nicht in dieser Gruppe sieht oder bei dem andere Ausschlusskriterien greifen, sollte sich nicht unnötig Risiken aussetzen, seien diese auch noch so klein und scheinbar kalkulierbar.
© ITP-de/pe 2006
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