Ein Roman der Generation nach 68, ein Panoptikum einer politisierten Zeit ebenso wie dasjenige eines ausschweifenden Lebens eigenster Prägung.
Die Mutter, die zeitweise von einer geheimnisvollen Krankheit geplagt wird, spielt in diesem Roman eine große Rolle. Und die Krankheit ist eine Metapher für eine bestimmte Nerven-Konstellation, Sensibilität, ja Verrücktheit, die sie mit ihren Zwillingssöhnen teilt, besonders mit dem einen - Friz, dem Erzähler. Wenn er groß ist, will er so leben wie seine Mutter. "Lesungen, Hotelzimmer, Taxis. Ich werde Dichter wie die Mutti".
Doch bevor sich dies bewahrheitet, retten sich die Zwillinge aus dem Elternhaus in eine politisierte Jugend in Darmstadt, fliegen von der Schlule und leben ein aufregendes Leben. "Ich war in diesem Jahrhundert Deutschlands einziger, letzter Junge, dessen Leben den Gesetzen und der Romantik der Bildungs- und Entwicklungsromane folgte!" pz
Einige Leseproben
"Ein Jahr lang war Jonas mein schöner Hauptberuf. Jeden Tag gab es Verwicklungen, Behördenkrieg, Schriftwechsel, Telefonate. Die Mutter führte sich dem Jugendamt gegenüber wie eine Verrückte auf, er blieb bei uns. Zu allem auf der Welt hatten wir eine Meinung, aber das hiess nicht sogleich, dass die Welt sie hören wollte. Man musste dem nachhelfen."
"Mich kamen zwei Jünglinge aus dem Dorf besuchen. Sie hiessen Hannes und Marcus, waren gymnasiastische Söhne wohlsituierter Bürger und kamen zum Plaudern, obwohl sie wussten, dass ich auf Jungs stand. Sie sagten ihren Müttern in der Deichreihe, das sei ihnen egal, sie fänden mich cool."
"…ich aber wurde ein pflichtbewusster Outlaw und Strolch."
"Ich und mein Köfferchen. Heute hier, morgen dort. Weitab von der Hammelherde der Blauen Kurautobusse. Grinsend am Fenster des Cafés morgens sitzend: über welche Märkte strolche ich heute, durch welches Röhricht an welcher Badestelle? Die Welt war wohlfeil, auch, gerade im zerfallenen östlichen Imperium."
"Sinnlos ist da kein einzelner Moment. Nur das Ganze ist sinnlos wie ja, scheint es, das Universum. Vielleicht ein wenig mehr als das Universum. Aber man kann nicht darüber hinweggehen, junge Jungen zu küssen. Man hatte in der Kindheit nicht geahnt, dass man zu so etwas ausersehen ist. Man hatte geglaubt, Entlein sein zu müssen, nun muss man täglich aufschreiben: Schaut her auf mein schwanenweisses Gefieder."
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