Im Mittelpunkt steht das Mädchen Dole, das mit ihrer Mutter und deren neuem Lover Urlaub an der Ostsee macht. Die Elfjährige ist noch von arg kindlichem Gemüt: Sie schaukelt gern, balgt mit Mama unter der Bettdecke und glaubt an Zauberwelten am Meeresgrund. Eines Tages trifft sie Hermann, der ganz ähnlich gestrickt ist – mit dem Unterschied, dass er fast 40 Jahre älter ist.
Wenn er mit fremden Kids Strandburgen baut, ist der Familienvater in seinem Element. Doch zwischen Dole und Hermann bleibt es nicht beim Spiel mit Sandschäufelchen; die beiden ergreift eine tiefe Zuneigung, die auch nach dem Urlaub nicht verlöschen will.
Ein Verhältnis zwischen Mädchen und Mann? Da tauchen gleich Horrorszenarien von geifernden Kinderschändern vor dem Medien-geschulten geistigen Auge auf. Tatsächlich war es für Wild nicht einfach, den Film zu realisieren. Ein potenzieller Geldgeber winkte erschrocken ab, nachdem er von dem Thema erfahren hatte. Nach der Premiere gab es Stimmen, die sich solche Kinostoffe energisch verbaten.
Wer den Film sieht, kann darüber nur den Kopf schütteln, denn es gibt in "Mein erstes Wunder" nicht auch nur die Andeutung einer sexuellen Handlung. Andererseits lässt die Regisseurin keinen Zweifel daran, dass es um mehr geht als ein kumpelhaftes Geplänkel zwischen Kind und Kindskopf. Mit sanftem Pathos schildert sie, wie sich Sympathie in Seelenverwandtschaft und Seelenverwandtschaft in Liebe verwandelt. Das spiegelt sich besonders im faszinierenden Spiel der jungen Hauptdarstellerin Henriette Confurius, die mit jeder Filmminute ein bisschen mehr von ihrer Kindheit abstreift, reifer wird, und dabei auch äußerlich Attraktivität gewinnt. Lolita-Erotik oder gar Sex hat in diesem Universum jedoch keinen Platz. Wild: "Für dieses Mädchen, das noch nicht einmal in der Pubertät ist, ist Sexualität überhaupt keine Ausdrucksform. Es geht um Liebe, und das bedeutet auch, Grenzen zu respektieren."
Das mag mit daran liegen, dass der Film eine gelungene Variation des Klassikers "Unmögliche Liebe behauptet sich gegen alle Anfeindungen" ist. Darüber hinaus geht es der Regisseurin aber schon auch darum, die aufgeputschte Kinderschänder-Debatte zu beruhigen: "Ich möchte die schrecklichen Dinge, die passiert sind, nicht verharmlosen. Aber wenn Leute behaupten, dass eine solche Beziehung nur auf Missbrauch beruhen kann, stimmt das einfach nicht." Insofern sei der Film auch ein "Gegenentwurf zu den Bildern, die bei diesem Thema sofort in den Köpfen entstehen." pe