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Dipl.-Psych. M. Griesemer.
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Interviews / Interviews mit Pädophilen
Christian: Hm, das ist gar nicht so einfach... Das Aussehen und die Statur spielen da natürlich schon eine entscheidende Rolle; ich denke, das sollte bei Homo- oder Heterosexuellen nicht viel anders sein. Um mir zu gefallen, sollte ein zum Beispiel 20-jähriger junger Mann schon etwas sehr knabenhaft Glattes in seinem Aussehen haben. Das ist aber nicht alles. Dazu kommt seine Art, wie er sich bewegt, seine Gesten, wie er spricht, usw.; z.B. gefällt es mir, wenn ein Junge etwas Elegantes in seinen Bewegungen und in seiner Art zu sprechen hat. Last but not least spielt natürlich auch sein Charakter eine Rolle: Ich finde es sehr schön, wenn sich ein erwachsener junger Mann etwas von seiner kindlich-jugendlichen Spontanität und der Bereitschaft, Konventionen zu übertreten, bewahrt hat... Aber das kann man alles nicht so verallgemeinern und müsste man an konkreten Beispielen durchkauen.
Für meinen Teil kann ich aber auf jeden Fall sagen, dass - auch wenn ich mal einen erwachsenen Jungen hübsch finde - das mit "normalem" Schwulsein nur sehr eingeschränkt zu tun hat. Diese Einstellung hat sich bei mir auch in Gesprächen mit nicht pädophilen schwulen Freunden bestätigt. Es kann zwar durchaus sein, dass wir sogar mal den gleichen Typen gut finden; doch das, was uns an dem Jungen gefällt, ist nicht das Gleiche: Ich liebe den Jungen in ihm, der Schwule mag den Mann.
Ich bin mit einem Schwulen näher befreundet, der über meine Neigung voll und ganz Bescheid weiß, und er kommt an und für sich auch sehr gut damit zurecht. Allerdings habe ich den Eindruck, dass es ihm ab und an - wenn wir zusammen unterwegs sind - nicht so vollständig präsent ist, dass ich eben nicht schwul bin und einfach nur auf Jüngere stehe, sondern es da schon einen Unterschied gibt. Etwas Ähnliches hat er auch schon in Gesprächen mir gegenüber erwähnt.
Den weiteren Schwulen, die ich persönlich kenne, bin ich wohl - wie vielen meiner heterosexuellen Freunde - ein Buch mit sieben Siegeln, was meine sexuelle Neigung anbelangt. Sie ahnen sicher, dass da irgendetwas ist und sind verwirrt, was das denn sein könnte. Es kommt auch mal eine Andeutung von der ein- oder anderen Seite; Gott sei Dank bleibt es aber auch dabei. Ansonsten habe ich einmal einen Schwulen in einem Gay Chatroom etwas besser kennengelernt, dem ich mich dann geoutet habe. Er meinte, er hätte kein Problem mit Pädophilen, solange sie ihre Sexualität nicht mit Kindern ausleben.
Meinen Eltern und Geschwistern habe ich mich vor circa 3 Jahren in einem Zeitraum von etwa zwei Wochen geoutet. Meine Geschwister kamen von Anfang an erstaunlich gut damit zurecht; meine Mutter brauchte eine ganze Weile, es zu akzeptieren. Mein Vater vergisst und verdrängt es einfach, wenn man ihn nicht direkt darauf anspricht. Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber ich finde es gar nicht mal schlecht so; und ich habe nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis zu ihm.
Einmal habe ich versucht - dummerweise auch noch um halb zwei nachts per Chat -, mich einem sehr guten heterosexuellen Freund von mir zu outen. Das ist allerdings irgendwie ziemlich in die Hose gegangen. Ich glaube, er hat es vielleicht als Scherz aufgefasst; als solchen habe ich es ihm zumindest im Nachhinein versucht darzustellen. Wir haben danach nicht mehr darüber gesprochen, kommen aber unverändert gut miteinander klar.
Die Outings bei meiner Familie - besonders das bei meiner Mutter - waren mir sehr wichtig; einfach, weil sie merkten, dass ich ihnen irgendetwas verheimliche und es unser Vertrauensverhältnis gestört hat, dass ich nicht offen mit ihnen über alles reden konnte. In meinem engeren Umfeld wissen nun sehr viele, dass ich auf Jungs stehe, kommen damit klar, und ich kann mit ihnen ganz normal darüber reden. Das hat mir sehr geholfen, meine Neigung als normal in meinen Alltag und mein Leben zu integrieren. Obwohl das sehr angenehm ist, birgt es die Gefahr zu vergessen, dass viele der Menschen in der weiten Welt da draußen weitaus weniger bereit sind, diese Toleranz aufzubringen, die ich von den Leuten der kleinen Welt - in der ich lebe - täglich erfahre.
Das kann ich so allgemein weder mit "ja" noch mit "nein" beantworten, da das immer von Fall zu Fall unterschiedlich ist. Ein Outing sollte auf gar keinen Fall überstürzt sein. Ich würde ihm vermutlich raten, sich genau zu überlegen, was er mit dem Outing bezwecken will und was er sich davon erhofft.
Außerdem bin ich der Meinung, dass es bei einem Outing nie nur um einen selbst geht, sondern auch um die Person, der man sich outen will. Kann und will diese Person das wirklich wissen und sich damit auseinandersetzen? Wie stehen die Chancen, dass sie gut oder ganz und gar nicht damit zurecht kommt? Wie steht sie zu mir? Was für eine politische Einstellung hat die Person? Was hat sie für ein Weltbild? Ist sie religiös geprägt? Wie steht sie zu Sexualität? Hat sie vielleicht selbst in ihrer Kindheit unangenehme oder angenehme sexuelle Erfahrungen gemacht? usw.
Schon im Grundschulalter gab es mit verschiedenen Freunden - hauptsächlich Mädchen, aber auch Jungen - ein paar Doktorspiele. Meine ersten wirklich sexuellen Erfahrungen habe ich im Alter von 12 Jahren mit Michael gemacht, einem damals 11jährigen Jungen, mit dem ich gemeinsam in den Jugendclub ging. Es fing recht harmlos-spielerisch an, indem er mich eines Nachmittags - als wir zwei alleine auf der Couch saßen und lasen - fragte, ob ich es eigentlich drauf hätte, seinen Pimmel anzufassen. "Du spinnst doch! Dass du das dann bei allen anderen herumerzählst...". "Mit dem Fuß würde ich es machen", antwortete er. Das wollte ich aber nicht. Irgendwann hat es sich dann aber doch ergeben und wir durften über zwei Jahre lang schöne Zeiten des sexuellen Erwachens erleben. Dann ist er umgezogen.
Die ersten sexuellen Gedanken, an die ich mich bewusst erinnern kann, hatte ich - glaube ich - in der zweiten Klasse in der Schulstunde. Meine Mathelehrerin, die ich sehr mochte, stand an meinem Tisch und beugte sich so zu mir herunter, dass ich kurz in ihren Ausschnitt blicken konnte. Ich erinnere mich außerdem, dass ich im Kindergarten einen bestimmten Jungen aus meiner Gruppe irgendwie sehr faszinierend fand und ich immer so ein Kribbeln im ganzen Körper hatte, wenn er da war. Das würde ich aber noch nicht als direkt sexuelle Gedanken bezeichnen.
Das ist eine interessante Frage; denn das hängt sehr von dem bestimmten Jungen ab, aber auch von meiner momentanen Verfassung. Es kann durchaus vorkommen, dass ich einen gutaussehenden Jungen sehe und am liebsten gleich sofort - ohne ein Wort zu sprechen - mit ihm ins Bett steigen würde. Manchmal aber begegne ich einem hübschen Jungen und verfalle in sehnsuchtsvolles Schwelgen. Ich bin dann wie weggetreten, alles kribbelt in mir und ich muss mich dazu zwingen, ihn nicht dauernd anzusehen. Die Gefühle in solchen Momenten kann ich kaum sexuell nennen - auch wenn sie sicher etwas damit zu tun haben.
Zwischen diesen beiden Extremen gibt es natürlich einen fließenden Übergang. Ich würde aber sagen, dass tendenziell Momente wie der zuerst beschriebene eher bei älteren, und Momente wie der zuletzt beschriebene eher bei jüngeren Jungen öfter auftreten.
Zur Zeit ausschließlich in meiner Fantasie.
Vor zwei Jahren habe ich im Urlaub einen sehr liebenswerten, extrem wohlgebauten - wenn auch ziemlich durchgeknallten - 17-jährigen schwulen Jungen kennengelernt, der sich Hals über Kopf in mich verliebt hat. Wir erlebten eine wunderschöne zweiwöchige Urlaubsaffäre. Er hatte derzeit eigentlich einen Freund, was ich allerdings erst später erfahren habe (ups).
Dann gibt es da noch einen netten, älteren Boylover, den ich schon seit 5 Jahren kenne und mit dem ab und an was lief. Das habe ich allerdings eher "ihm zu Liebe" gemacht - nicht zuletzt, weil er diesbezüglich recht aufdringlich ist. Es war nicht schlimm - so berauschend, dass ich es unbedingt fortführen will, war es dann aber doch nicht und irgendwie möchte ich es nicht mehr.
Ja, das stört mich natürlich schon sehr. Ich finde es immer wieder schockierend, wie wenig auch sehr intelligente und tolerante Menschen dazu bereit sein können, ihre Vorurteile in Frage zu stellen, wenn es sich um Themen handelt, die sie nicht direkt betreffen. Viele glauben, über ein Thema wie Pädophilie bereits alles zu wissen, und dass es klar und einfach ist, was man darüber zu denken hat. Einen Bedarf an Aufklärung sehen viele nicht - oft wohl gerade deswegen, weil es sie nicht direkt betrifft und somit auch nicht besonders interessiert. Dennoch meinen einige, sich eine Meinung zu dem Thema leisten und diese vehement vertreten zu müssen.
Eine Zeit lang hatte ich die Hoffnung, dass Pädophile es ja besser wissen müssten; einfach weil sie die Ignoranz und Verachtung am eigenen Leib gespürt haben. Leider ist das ein Irrtum und ich musste erfahren, dass Pädos in anderen Bereichen ganz genauso ignorant und diskriminierend sein können, wie es viele "normale" Menschen gegenüber den Pädos sind. Man kann es kaum glauben, aber es gibt sogar pädophile Neonazis!
Diese massive Ächtung von Pädophilie hält mir aber auch immer wieder vor Augen, dass der Gedanke, wir würden in einer vollständig freien Gesellschaft ohne Tabus leben, eine Illusion ist. Betrachtet man sich so die Geschichte oder die Situation einiger anderer Länder von heute, muss man zweifelsohne sagen, dass wir das Glück haben, in einer relativ gesehen sehr freien und toleranten Gesellschaft leben zu dürfen. Das täuscht aber oft darüber hinweg, dass es auch bei uns Tabus gibt, dass auch bei uns Diskriminierung von Minderheiten, Bürgerrechtsverletzungen, Medienmanipulation, etc. gibt und dass unsere Freiheit ein sehr hohes und zerbrechliches Gut ist, das zu schützen und auszubauen ist.
Hast du Träume oder Wünsche für deine persönliche Zukunft?
Ich hoffe, dass ich nach meinem Studium eine halbwegs befriedigende Arbeitsstelle finden werde, bei der ich immer etwas Neues dazu lerne und mir auch noch ein bisschen Zeit für mich, meine Hobbies und meine Freunde übrigbleibt. Ich wünsche mir, dass mir meine lieben Freunde und meine Familie erhalten bleiben.
Ansonsten hätte ich nichts dagegen, vielleicht mal eine schöne Beziehung mit einem Jugendlichen oder jungen Mann einzugehen, wenn es sich ergibt. Eine Beziehung zu einem Kind kann ich mir momentan kaum vorstellen.
Wieso könntest du dir keine Beziehung zu einem Kind vorstellen?
Mir würde momentan diese Verantwortung vermutlich einfach nicht behagen, die ich für ein Kind in einer solchen Beziehung zwangsläufig übernehmen müsste; und dabei spreche ich gar nicht unbedingt mal von Beziehungen, die sexuelle Handlungen irgendwelcher Art überhaupt mit einschließen. Wenn ich mit einem Jungen zusammen bin, werde ich selbst wieder zum Kind und möchte mich am liebsten selbst wie ein Junge verhalten, mit ihm Unsinn machen, ein Freund auf gleicher Ebene sein, aber nicht sein Mentor, sein Lehrer, sein Vater oder sein Erzieher.
Das geht aber leider nicht so in dieser Radikalität. Als Erwachsener habe ich einen ganz anderen Erfahrungshorizont als ein Kind und trage daher automatisch dem Jungen gegenüber auch ein gewisses Maß an Verantwortung. Diese Balance zu finden würde mir - glaube ich - sehr schwer fallen und ich würde mich in dem pädagogischen Teil der Rolle sehr unwohl fühlen. Kinder können ab und zu auch ziemlich anstrengend sein. ;)
Vielen Dank für das Interview
© ITP-pe 2007
Dieses Interview entstand zwischen Januar 2007 und März 2007. Weitere Fragen und Meinungen sind ausdrücklich erwünscht. Nutzen Sie dazu bitte unser
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