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Interviews / Interviews mit Pädophilen
Stephan: Beides trifft auf mich zu: Zum einen fand ich bereits seit meiner frühesten Kindheit damals Gleichaltrige in emotionaler aber auch sexueller Weise anziehend; Dabei fühlte ich mich in besonderer Weise zu Jungen hingezogen. Diese tiefe innere Sehnsucht hat mich auch die darauffolgenden Jahre begleitet; in der Pubertät träumte ich von hübschen Nachbarsjungen, mit denen ich zärtlich war und auch körperlich intim wurde.
Mein persönlicher Eindruck ist, dass meine pädophile Neigung schon immer vorhanden, mir jedoch lange Zeit nicht bewusst war.
Erst der Umstand, dass ich im Jahre 2003 bei meinem Exhibitionismus von der Polizei aufgegriffen wurde, hat mein Leben schlagartig verändert: Mit einem Mal war mir klar, dass ich zu meiner pädophilen Ausrichtung stehen muss und sie nicht länger verdrängen darf.
Dafür muss ich ein wenig ausholen: Wie ich bereits schrieb, verspüre ich, solange ich denken kann, ein intensives Bedürfnis nach emotionaler und sexueller Nähe zu Kindern in mir; allerdings fiel es mir früher eher schwer, auf andere Kinder zuzugehen. Demzufolge kam es auch nie zu direkten sexuellen Kontakten. Während meiner Pubertät und die Jahre danach habe ich mich sexuell über Fotos aus Versandhauskatalogen oder das Betrachten von Kindersendungen im Fernsehen sexuell stimmuliert. Dabei half mir z.B. das Ansehen von Kindern, die nur mit Unterwäsche oder Badehosen bzw. leicht sommerlich bekleidet waren, um zum Orgasmus zu kommen. Mit Hilfe meiner Phantasie habe ich mir dann eine intensive Nähe zu diesen Kindern vorgestellt, die mir real nicht möglich, aber auch nicht erstrebenswert schien. Mit zunehmendem Alter schien mir dies jedoch zu wenig als Anreiz; ich suchte unbewusst nach einem stärkeren "Kick"; Bis ich irgendwann auf die Idee kam, die Nähe von Kinderspielplätzen aufzusuchen und mich dort im Gebüsch zu verstecken. Diese sehr dichte Atmosphäre verbunden mit der realen Nähe zu Kindern, ermöglichte mir ein wesentlich intensiveres sexuelles Erlebnis.
Allerdings musste ich mit der Zeit feststellen, dass dieser größere "Kick" dazu führte, dass ich zunehmend auf exhibitionistische Handlungen fixiert war und mir immer seltener alleine das Betrachten von Bildern oder das Einlassen auf meine Phantasie ausreichte, um zum sexuellen Höhepunkt zu kommen.
Konkret: Es hatte sich etwas entwickelt, was ich so von meinem Denken her nie wollte aber was ich nun plötzlich nicht mehr lassen konnte.
Nein, während es mir im Laufe meines Lebens immer besser gelang, mich auf eine emotionale Nähe zu Kindern einzulassen, war mein diesbezügliches sexuelles Bedürfnis ein echtes Problem für mich, da ich dessen Erfüllung im direkten Kontakt für nicht erstrebenswert hielt.
In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass mein erster Berufswunsch der des Erziehers war. Ich liebe Kinder und für mich war es selbstverständlich, dass demzufolge auch meine Berufung in der Arbeit mit Kindern liegt.
Da müssten wir uns zunächst einmal darüber unterhalten, wie Du bzw. wie ich eine "enge" Beziehung zu einem Kind definiere. Ich denke, da gibt es durchaus unterschiedliche Auffassungen. Dürfte ich Dich daher bitten, Deine Frage etwas näher zu erläutern?
Du setzt offensichtlich "Freundschaft" mit einem engen Verhältnis zu einem Kind gleich; ich bin allerdings eher der Auffassung, dass eine solche Interpretation an einem umfassenden Verständnis von Pädophilie vorbeigeht:
Pädophilie beinhaltet in meinen Augen immer den Wunsch nach einer sexuellen und emotionalen Nähe zum Kind. Dabei wird die pädophile Ausrichtung von der Gesellschaft leider häufig auf den sexuellen Aspekt reduziert; andererseits wird von einigen Pädophilen ihre Neigung eher auf den emotionalen Anteil reduziert, was wiederum die Gefahr einer
Verharmlosung, vielleicht sogar eines Selbstbetrugs beinhaltet. Nicht bestreiten möchte ich jedoch, dass die Gewichtung von sexuellen und emotionalen Beürfnissenden pädophiler Erwachsener sicher unterschiedlich ist. Mein persönliches Bedürfnis war eine Befriedigung meiner pädophilen Neigung insgesamt: Während mir die Erfüllung der emotionalen Nähe zu Kindern in bestimmten kindgerechten Situationen erfüllbar schien, sah und sehe ich aber leider
keine Möglichkeit für verantwortbare sexuelle Kontakte zwischen pädophilen Erwachsenen und Kindern.
Ich denke, pädophile Menschen sollten sich der ganzen Wahrheit ihrer Idendität stellen; nur so können sie mit der Zeit lernen, in einer verantwortlichen Weise mit Kindern umzugehen.
Doch noch einmal zurück zu Deiner Frage: Sicher hatte auch ich den Wunsch, zumindest im nicht-sexuellen Bereich eine enge Freundschaft mit einem Kind einzugehen, musste jedoch feststellen, dass dies in einer kindgerechten Weise nur selten gelingt, da sich Kinder nunmal in erster Linie mit Gleichaltrigen beschäftigen. Ich halte es für schwierig und vielleicht auch gar nicht förderlich, als Erwachsener engere anhaltende Beziehungen mit Kindern anzustreben, da
dies vorrangig den Eltern obliegen sollte. Meine intensivste Beziehung zu einem Kind war jene zu meinem Cousin, bei dem ich als "Babysitter"eingesetzt wurde, als er ca. 8 Jahre alt war. Zu ihm entwickelte sich eine sehr intensive emotionale Beziehung; ja er hat mich zeitweise regelrecht "angehimmelt". Heute weiß ich aber auch, dass ein wesentlicher Grund hierfür war, dass sein Vater eher eine distanzierte Beziehung zu ihm hatte und wenig (auch)
emotonale Nähe ihm gegenüber ausdrückte. Dies erlebte mein Cousin wohl das erste mal bei mir und fühlte auch, dass ich ihn sehr gerne hatte. Allerdings kam es (zum Glück) niemals zu sexuellen Kontakten, worüber ich auch sehr froh bin.
Heute sind meine Kontakte zu Kindern eher zufälliger Art und ergeben sich aus der Situation heraus, da ich es nicht angemessen finde, enge emotionale Kontakte zu fremden Kindern zu suchen. Nochmals: Dies ist und sollte m.E. in erster Linie Aufgabe der nächsten Bezugspersonen, in der Regel der Eltern, bleiben.
Natürlich kann ich als Betroffener den Wunsch vieler Pädophiler nach dem, wenn auch nur eingeschränkten, Ausleben der eigenen Sexualität gut nachvollziehen.
Jedoch lässt sich eine diesbezügliche Begründung der Existenz von Pornografie und Prostiution nicht auf die Pädophilie übertragen, da wir es bei der pädophilen Sexualität mit verschiedenen Ausgangssituationen zu tun haben:
Während der erwachsene Pädophile seine emotionale und sexuelle Entwicklung, was die grundsätzliche Ausrichtung angeht, bereits abgeschlossen hat, befindet sich das Kind noch in einer suchenden Position, deren Ergebnis sowohl sexuell als auch emotional in vielen Aspekten noch weitgehend offen ist. Hier ist es Aufgabe eines jeden Erwachsenen, die individuelle Entwicklung des Kindes zu fördern, zu begleiten und zu schützen. Das unbewusste oder bewusste "Aufdrängen" der eigenen pädophilen Sexualität kann bei Kindern zu
erheblichen Irritationen bis hin zu gravierenden Idenditätsproblemen führen.
Aus diesem Grunde halte ich es auch für völlig richtig, dass der Gesetzgeber Pornographie und Prostitution in pädophilen Beziehungen grundsätzlich unter Strafandrohung stellt.
Oftmals wird von den Besitzern und Konsumenten pornographischer Bilder übersehen, dass zu deren Herstellung Kinder in einer eindeutigen Weise manipuliert wurden. Aber selbst wenn solche Darstellungen keine eindeutigen sexuellen Handlungen beinhalten, so findet doch häufig eine Fixierung oder gar Sexualisierung der betroffenen Kinder statt, was für einen verantwortungsbewussten Pädophilen nicht hinnehmbar ist.
Hingegen halte ich das Betrachten von Kinderabbildungen z.B. in Versandhauskatalogen bzw. vergleichbare Darstellungen, die eindeutig nicht zur Befriedigung sexueller Bedürfnisse pädophiler Erwachsener erstellt wurden, für akzeptabel, weil, und in diesem Punkt folge ich der Argumentation einiger Pädophiler, diese als Ventilfunktion für ein ansonsten enthaltsames Sexualleben hilfreich sein können.
Ja, ich bin überzeugt davon, dass es Strategien gibt!
Wie gesagt, ich sehe kein Problem darin, dass ein Pädophiler sich im Rahmen der Selbstbefriedigung anhand seiner auf das Kind bezogenen Phantasien ein gewisses Maß an sexueller Erfüllung verschafft. Ich halte dies sogar für sehr verantwortungsbewusst im Hinblick auf die möglichen Gefahren und Risiken von direkten sexuellen Kontakten mit Kindern. Darüber hinaus ist es sehr wichtig, dass er seine diesbezüglichen Phantasien nicht verdrängt sondern auch als einen Bestandteil seiner pädophilen Idendität versteht, mit dem er allerdings verantwortungsvoll umzugehen hat (!)
Persönlich habe ich erfahren, dass es sehr hilfreich sein kann, der emotionalen Seite meiner nicht unproblematischen Ausrichtung mehr Gewicht zu geben:
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten in unserer Gesellschaft, sich legal und in einer eindeutig für die Interessen des Kindes ausgerichteten Weise zu engagieren:
Dabei sind gesellschaftliche wie private Institutionen gleichermaßen von Interesse. So setze ich mich z.B. gegen finanzielle Kürzungen im Kinder- und Jugendbereich ein, habe Kontakt zu Kinderschutzorganisationen, ein Patenkind auf den Philipinen, das meine Frau und ich finanziell unterstützen, etc.
Zusätzlich gibt es noch zahlreiche regionale Möglichkeiten, sich für Kinder stark zu machen, und sei es der Einsatz für die Errichtung eines Kinderspielplatzes in einem Wohngebiet.
Dies alles sehe ich auch als eine gute Chance, ein Stück Erfüllung in meiner pädophilen Liebe zu Kindern zu finden.
Für mich steht allerdings auch fest, dass jeder pädophile Mensch ein Recht darauf hat, nicht alleine aufgrund seiner sexuellen und emotionalen Ausrichtung diskriminiert zu werden! Dieses bereits in der Verfassung für alle Menschen verankerte Grundrecht gilt auch für Pädophile!
Hier hat auch die Gesellschaft eine Bringschuld!
Mittelfristig sehe ich daher eine Chance für verantwortungsbewusste Pädophile, ein gewisses Maß an gesellschaftlicher Akzeptanz und eigener Erfüllung zu erhalten, wenn sie durch ihr vorbildhaftes Verhalten auch dem "Otto Normalbürger" zeigen, dass eben nicht alle Pädos "Kinderschänder" sind.
Das derzeitig größte Hindernis auf einem solchen Weg liegt m.E. in den weit verbreiteten Vorurteilen vieler Menschen, woran die Medien leider nicht ganz unschuldig sind:
Pädophile werden oft mit Kinderschändern gleichgesetzt.
Dies hat wiederum zur Folge, dass sich auch verantwortungsbewusste pädophile Menschen kaum trauen, offen zu ihrer Neigung zu stehen, da sie mit gravierenden Folgen bis hin zu einer sozialen Isolation rechnen müssen.
Dennoch ist es für jeden (nicht nur pädophilen) Menschen wichtig, auch ein Stück Annahme im sozialen Umfeld zu erfahren und dies geht leider nur, indem selbst in dieser schwierigen Zeit ein Anfang gemacht wird und sich jemandtraut, so wie ich es hier tue.
Meine Hoffnung ist, dass mit der zeit immer mehr verantwortliche pädophile Menschen den Mut finden, sich zu öffnen und dadurch letztendlich eine differenziertere gesellschaftliche Wahrnehmung gefördert wird.
Am 13.12.2004 habe ich zusammen mit einer Mutter und meinem Freund Marco die Seite "Verantwortung für Kinder" (VfK) gegründet, der kurz darauf auch ein Forum angeschlossen wurde. Dieses Projekt hat bei pädophilen und nichtpädophilen Menschen eine insgesamt überraschend gute Annahme gefunden; Wir wurden sogar auf der Internetpräsenz des
Charité-Projektes Dunkelfeld (www.kein-taeter-werden.de) verlinkt, was wir als einen großen Erfolg unserer Arbeit werteten.
Leider kam es im Team vermehrt zu Streitigkeiten und Machtkämpfen, die letztendlich vor einigen Monaten dazu führten, dass eine konstruktive Arbeit an der Seite nicht mehr möglich war.
Mein Freund Marco hat inzwischen seine vielfältigen und wertvollen Textarbeiten zum Thema Pädophilie auf seiner neuen Internetpräsenz "www.schicksal-und-herausforderung.de" veröffentlicht;
Zusammen mit einem weiteren pädophilen Menschen werde ich in absehbarer Zeit meine Domain "www.kindern-eine-chance.de" aufbauen.
Während Marco mit seiner Homepage m.E. eher die theoretischen Aspekte einer verantwortlichen Pädophilie beleuchtet, soll sich unsere, in Planung befindliche Seite mehr mit aktuellen Problemen, Nöten, Sorgen und Bedürfnissen von Kindern befassen, ohne jedoch die besondere Problematik der Pädophilie außer acht zu lassen. Auf diese Weise möchten wir ein Stück mehr die emotionale Seite der pädophilen Ausrichtung in den Vordergrund stellen, die nur das beste für Kinder will und auch bereit ist, (wenn notwendig) eigene Bedürfnisse in den
Hintergrund zu stellen.
Auch wenn wir vehement für eine gesellschaftliche Akzeptanz sowie differenzierte Wahrnehmung der pädophilen Neigung eintreten, so sollte doch der Schutz von Kindern unser wichtigstes Anliegen bleiben (!)
Ich persönlich halte beide Projekte, sowohl das von Marco bereits realisierte, als auch das von uns geplante, für sehr wichtig, da beide sich bemühen, das Thema Pädophilie in einer sehr verantwortlichen und differenzierten Weise zu behandeln.
Darüber hinaus stehe ich auch weiterhin als Ansprechpartner für verantwortungsbewusste pädophile Menschen, aber auch andere Personen, wie z.B. Eltern, Mißbrauchsopfer usw. zur Verfügung, die an einer ernsthaften Auseinandersetzung mit diesem Thema interessiert sind. Solche Diskussionen sind auch für mich sehr hilfreich und sind außerdem ein wichtiger Bestandteil unseres Bemühens, Vorurteile abzubauen und ein größeres Maß an Sensibilität bei allen Menschen zu erreichen.
Vielen Dank für das Interview
© sd/ITP-pe 2006
Weiterführende Links:
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