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Justiz

Ein Blick in die Kriminalstatistik

In der Öffentlichkeit werden Sexualdelikte an Kindern als ständig wachsende Bedrohung empfunden. Kaum ein Delikt erweckt ähnlich große Emotionen. Entsprechend groß ist der Druck auf Politik und Justiz, das Strafmass für derartige Delikte zu erhöhen, um potentielle Täter abzuschrecken und dadurch Kinder noch besser zu schützen.

In den letzten zehn Jahren war beinahe jede Gesetzesinitiative erfolgreich, die zum besseren Schutz der Kinder beitragen sollte, selbst wenn dadurch Bürgerrechte stark einschränkt wurden, oder, wie bei der Verwahrungsinitiative, Konflikte mit der Europäische Menschenrechtskommission EMK entstanden. Mit dem Argument des besseren Kinderschutzes wurden kritische Stimmen ins moralische Abseits gestellt.

Haben nun diese Strafverschärfungen zu einer Abnahme der angezeigten Fälle geführt?
Ein objektiver Indikator ist die offizielle polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Sie bestätigt den in der Öffentlichkeit empfundenen Anstieg der angezeigten Fälle nicht. Sowohl in Deutschland wie in der Schweiz ist die Zahl der Fälle pro Jahr seit 10 Jahren weitgehend konstant.

Auszug PKS Deutschland

Auszug polizeiliche Kriminalstatistik Deutschland

Die PKS kann nur als Indikator dienen. Über die Zahl der wirklich aufgedeckten Fälle sagt die PKS nichts aus. Auch die Dunkelziffer ist nicht bekannt, sie wird aber von Fachleuten auf das Doppelte der aufgedeckten Fälle geschätzt. Weitgehend unbekannt sind auch die Auswirkungen verbesserter Ermittlungsmethoden wie DNA-Analyse, Internetkompetenz etc. auf die Statistik. So ist es möglich, dass dadurch zwar die Zahl der Anzeigen zugenommen hat, nicht aber die der wirklichen Fälle.

Auszug PKS Schweiz

Auszug PKS Schweiz

Signifikante Zunahmen sind dagegen seit längerer Zeit bei Gewaltdelikten feststellbar. Lag 1996 die Zahl der Anzeigen wegen vorsätzlicher Körperverletzung noch bei 4151, so stieg sie bis 2005 auf 8099. Der Spitzenwert war 2004 mit 8198 angezeigten Fällen.

Auch die Zahl der angezeigten Vergewaltigungen verdoppelte sich in der gleichen Zeitspanne von 344 im Jahr 1996, auf 646 im Jahr 2005.

Auszug PKS Schweiz Auszug PKS Schweiz
Verdoppelung der Vergewaltigungen Verdoppelung vorsetzlicher Körperverletzungen

Die steigende Anzahl von Vergewaltigungen und vorsetzlicher Gewaltdelikte ist ein Phänomen, welches auch in Deutschland zu beobachten ist. Schon Adorno, Horkheimer, Prescott und Bleibtreu-Ehrenberg verwiesen in den Achtzigern darauf, dass Gewaltdelikte, insbesondere sexualisierte Gewalt durch eine, seit dem Aufkommen von AIDS, zunehmende Leibfeindlichkeit und Frustration verursacht würden.

© ITP-pe/ah 2007

Weiterführende Links:

Link Verzerrte Wahrnemung

Prof. Dr Kury wagt einen Vergleich zwischen Delikten im Strassenverkehr mit Delikten gegen die sexuelle Integrität von Kindern und zeigt damit auf, wie die Wahrnehmung über tatsächliche Bedrohungen in der Öffentlichkeit verzerrt sind.

Link Deutsche Kriminalstatistik

Verweis auf die Statistiken vom BKA (Bundeskriminalamt).

Link Schweizer Kriminalstatistik

Verweis auf die Statistiken vom Schweizer Bundesamt für Polizei

Aktuell auf ITP

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