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Deutschlands sexuelle Tragödie

Wolfgang Büscher

Deutschlands sexuelle Tragödie

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Aktuelle Beiträge / Archiv / Sexualität

Erregende Doktorspiele

Erregende Doktorspiele

Kinder sollen im Kindergarten nackt rumrennen dürfen und ihre Sexualität entdecken.
(Bild: Bericht in pbl)

Eine norwegische Pädagogin und Kindergärtnerin fordert öffentlich sexuelle Spiele von Kindern im Kindergarten zu erlauben.

Karin Ståhl, familienpolitische Sprecherin der rechtspolulistischen Partei FRP meint zutiefst schockiert: "So was gehört doch da nicht hin". Die Boulevardzeitung Dagbladet meldet auf dem Titel: «Sie will Sexspiele im Kindergarten» und zeigt dabei eine Grossaufnahme der Pädagogin Pia Friis.

Die ganze Aufregung entstand durch einen Bericht in einer Fachzeitschrift für Pädagogik von Oktober 2007 (pbl.no). Frau Friis gibt darin Auskunft wie Pädagogen mit Situationen umgehen sollten, wenn sie Kinder bei sexuellen Spielen überraschen. Dabei brachte sie Beispiele aus ihrem eigenen Kindergarten in dem "alle Typen sexueller Spiele" erlaubt seien. "Sie können sich anschauen und ihre Körper erforschen, Doktorspiele machen oder Vater und Mutter spielen, onanieren oder nackt herumtanzen." Sie forderte andere Fachleute dazu auf Kinder bei solchen Situationen nicht zu behindern und damit zu verunsichern sondern gerade im Gegenteil sie in ihrem Tun zu fördern.

Unsichere Kindergartenpädagogen würden Kinder negativ beeinflussen und damit auch in ihrer Entwicklung stören, wenn die Kinder sexuelle Entdeckungen als etwas Schlechtes erfahren. Wenn Kindergartenpersonal auf Kinder stossen, die zum Beispiel onanieren, dann soll man zum Beispiel fragen: "Na, ist das schön, was ihr macht?" oder "Fühlt sich das gut an?"

Unterstützt wird die These von Frau Friis durch namhafte Psychologen wie Thore Langfeldt: "Erst wenn Kinder wissen, was Sexualität ist, können sie auch Nein dazu sagen. Kinder haben es leichter, von Übergriffen zu berichten, wenn sie schon vorher ein Verhältnis zur Sexualität haben, und sie können besser Grenzen setzen." Der Familientherapeut Jesper Juul begrüsst es, dass Frau Friis das Thema Kindersexualität thematisiert hat. "Viel zu viele fühlen sich noch von kindlicher Sexualiät provoziert. Da ist es gut, wenn das Thema mal auf die Tagesordnung kommt."

Für die Familiensprecherin der rechtspopulistischen FRP ist die Debatte jedoch bereits beendet. Sie meint zu den Thesen von Friis: "Ein klares Nein. Das ist gesundheitsschädlich."

Im Rest von Europa versuchen Politiker aus allen Lagern kindliche Sexualität zu tabuisieren. So hat zum Beispiel die deutsche Familienministerin Ursula von der Leyen im vergangenen Sommer den Elternratgeber "Körper, Liebe, Doktorspiele", der bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sieben Jahre lang erscheinen konnte, zurückziehen lassen. Begründung: "unglückliche Formulierungen".

© 2007/ITP-pe Quelle: TAZ

Weiterführende Links:

Link "Guck weg!" «DUMMY» (01/2006)

Die Geschichte von «Zeig mal!» zeigt, wie sich die Gesellschaft auf den Weg zurück in die Verklemmung machte - Biografie eines Aufklärungs-Buchs.

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