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Kinderpornographie und Internet

Korinna Kuhnen

Kinder-pornographie und Internet

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Die Texte auf ITP-arcados stammen von verschiedenen Autoren mit teilweise sehr unterschiedlichen Sichtweisen zum Thema Pädophilie.

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Aktuelle Beiträge / Archiv / Kinderpornographie

Kinderpornos im Alltag

Im Kampf gegen Kinderpornografie geraten immer auch wieder Künstler in die Schusslinie. Kunst ist frei von Zensur und soll provozieren. Es folgen Berichte, wo die Kunst mehr provozierte, als es der Künstler beabsichtigt haben dürfte.

Nan Goldin - "Klara and Edda belly-dancing" Entstellung durch ITP-arcados.

Aufregung um ein angeblich «kinderpornographisches» Bild in der Kunstsammlung des Popmusikers Elton John

Kurz vor der Eröffnung einer Installation mit dem Titel "Thanksgiving" im Baltic Centre for Contemporary Art im nordenglischen Gateshead beschlagnahmte die Polizei ein Bild aus dem Besitz des Popmusikers Elton John.

Vorwurf: Kinderpornographie!

Das Bild trägt den Titel "Klara and Edda belly-dancing" und stammt von der renommierten amerikanischen Fotografin Nan Goldin. Die Installation wurde zuvor bereits unter anderem in London gezeigt, wo das Bild zwar kontrovers diskutiert, jedoch öffentlich gezeigt wurde.

Was ist zu sehen?

Zwei Mädchen, eines davon nackt, scheinen zu tanzen oder sich in einem gemeinsamen Spiel zu befinden. Eine sexuelle Handlung ist keine zu sehen. Die Aufnahme entstand offensichtlich in der Küche einer Privatwohnung, wahrscheinlich das Zuhause der Mädchen. Das Foto wirkt nicht gestellt oder inszeniert zu sein. Die Künstlerin Nan Goldin ist bekannt für die Direktheit ihrer Aufnahmen. Sie bezeichnet die Kamera als Teil ihres Körpers, als ihr eigentliches Auge, das die Eindrücke und Erlebnisse speichert.

Kunst oder Pornographie?

Nacktaufnahmen gehören zum Werk von Nan Goldin. Gerade Randexistenzen wie Transvestiten oder Homosexuelle sind wichtige Themen in ihrem Schaffen. Dabei haben die Fotos nie den Anspruch sexuell zu erregen, was eine Bedingung wäre um überhaupt von Pornographie zu sprechen, sondern sind stilistisch unverwechselbare Momentaufnahmen aus dem menschlichen Dasein in allen seinen Facetten. Elten John, bekennender Homosexueller und selbst Künstler von Weltruf erstand sich das Werk bestimmt nicht aus sexuellen Motiven heraus. Die Frage drängt sich ein weiteres Mal auf, ob mit der Beschlagnahme von zweifelsohne künstlerischen Werken wie diesem Bild der Kampf gegen Kinderpornographie nicht selbst längst pervert ist. Man kann bei Kunst über Geschmack streiten und man darf auch die Werke von Nan Goldin mögen oder auch nicht. Sich jedoch über jede Nacktaufnahme eines Kindes aufzuregen zeugt von einem eigenartigen Verhältnis zur Nacktheit eines Menschen, einem pathologischen Verständnis von Sexualität und Pornographie und einem fehlenden Bewusstsein für Kunst.

Um sich ein eigenes Bild von Nan Goldin zu machen: Google: Nan Goldin

© ITP-pe 1. Oktober 2007

Nachtrag 5. Oktober 2007:

Elton John liess infolge der Beschlagnahmung die ganze Ausstellung platzen. Seine Begründung:

"We have made arrangements to close the 'Thanksgiving' Installation at The Baltic with immediate effect. It was always intended that the Installation be exhibited as a whole, and not on a piecemeal basis, and our decision has been made with regard to the artistic integrity of the work and the artist."

Zivilcourage im Showbiz. Vorbildlich!

Hounddog

Aufregung um einen Film - Kritik: Kinderpornografie

Die 12 Jahre alte Jungschauspielerin Dakota Fanning spielt im Film «Hounddog» eine Vergewaltigungsszene. Der Film, der am Sundance-Festival zum ersten Mal gezeigt wurde, löst in den USA eine grosse Kontroverse aus - vor allem religiöse Kreise laufen gegen das Drama Sturm.

Der amerikanischen «Christian Film and Television Commission» ist der Film «Hounddog» ein Dorn im Auge, wie die BBC am 25. Januar 2007 berichtet. Wichtige Vertreter der Organisation bezeichnen «Hounddog» gar als illegal. Der Vorsitzende Ted Baehr: «Auch wenn sie die explizite Handlung nicht wirklich ausführen, haben wir es mit einer rechtlichen Frage zu tun. 12-jährige Kinder haben nicht die Fähigkeit, um die Art von Entscheidungen zu fällen, von denen hier die Rede ist. Wenn wir schockiert sind wegen eines rassistischen Kommentars eines Komikers, warum sind wir dann nicht schockiert, wenn jemand ein 12-jähriges Kind ausnützt?»

Die christliche Film- und TV-Kommission steht mit ihrer Kritik nicht allein da - viele Gruppen, so auch die katholische Liga, stimmen mit ein in den Protest. Die Regisseurin Deborah Kampmeier hat ihren Film verteidigt - sie sagt, dass auch Themen wie Kindesmissbrauch öffentlich diskutiert werden müssen. Kampmeier: «Dieses Thema wird in unserer Gesellschaft totgeschwiegen. Es gibt viele Frauen, die mit dieser Geschichte ganz allein sind.»

Dakota Fanning wehrt sich

Mit deutlichen Worten wehrt sich auch die 12-jährige Dakota Fanning (bekannt aus «War of the Worlds» und «Dreamer») gegen die Kritik. Dakota: «Es ist ja nicht ein Vergewaltigungsfilm. Das ist ja auch nicht die Hauptaussage des Films... es passiert ja auch nicht wirklich. Es ist ein Film, und man nennt es Schauspielerei. Ich mache nichts durch.»

Der Nachrichtenagentur Reuters erzählte Dakota darüber, wie gut sie während des Drehs betreut worden sei: «Wenn die Kritik so weit geht, dass meine Mutter, mein Agent... mein Lehrer - alle waren an diesem Tag bei mir - angegriffen werden, da wurde ich wütend... Es ist eine Attacke, und das ist nicht fair. Die haben ja den Film auch nicht gesehen.»

Berühmte Vorläufer

Die Kontroverse um «Hounddog» hat berühmte Vorläufer: Jodie Foster und Brooke Shields wurden mit denselben Vorwürfen konfrontiert - auch sie waren zwölf Jahre alt. Jodie Foster spielte in «Taxi Driver» eine Prostituierte im Kindesalter, und Shields spielte eine ähnliche Rolle in «Pretty Baby».

Quelle: www.20min.ch © 20 Minuten 25.01.2007

Wieder Posse um eine Ausstellung

Quelle: ARTE / Text übernommen von einem Bericht im Kulturjournal von ARTE

«In Bordeaux wird seit dem 20. Dezember 2006 gegen zwei Kuratorinnen ermittelt. Sie haben dort im Jahre 2000 eine Ausstellung über die Darstellung der Kindheit in der zeitgenössischen Kunst organisiert.

Jetzt werden sie mit dem Vorwurf der Verbreitung von Pornografie und der Antastung der Würde von Kindern konfrontiert.

Trotz klarer Warnhinweisen in der Ausstellung, haben einige der Werke bei der Kinderschutzorganisation La Mouette Anstoss erregt. Nur, warum erst sechs Jahre später?

Nicht nur Kinder, auch die künstlerische Freiheit ist schützenswert.»

Quelle: Arte © Arte Kulturjournal 20.12.2006

Aufregung in Bozen über ein «Jesuskind»

Jesuskind Bozen

Jesuskind von Bozen

Ein Kurzfilm über das Jesukind sorgt derzeit in Bozen für helle Aufregung. Das berichtet das Onlineportal der römischen Tageszeitung "La Repubblica". Im Video zu sehen ist ein Bub, der blond, blauäugig und völlig nackt ist. Am Ende des Films streckt das Kind seine Arme aus und lässt den Kopf auf seine Brust fallen, so als ob es gekreuzigt worden wäre. Das Video soll während des Christkindlmarkts auf die Außenmauern des Bozner Domes projiziert werden.

Laut "La Repubblica" regte sich sofort nach einer Probeaufführung vor dem Diözesanrat vergangenen Donnerstag Widerstand. Der Bozener Vizebürgermeister Rudi Benedikter: "Ich bin schockiert. Das ist eine inakzeptable Kommerzialisierung der Kirche durch ein Kind, dessen Darstellung sich an der Grenze zur Pädophilie bewegt." Ähnlich argumentiert Paolo Renner, einer der profiliertesten Priester Südtirols: "Das ist eine pseudochristliche Präsentation im New-Age-Stil, die sehr weit weg von der Tradition und der Weihnachtsbotschaft ist", heißt es auf der Homepage der italienischen Tageszeitung.

Niemand im Diözesanrat hatte sich eine so große Aufregung erwartet. Man hatte das Video des jungen, bekannten Südtiroler Künstlers Aron Demetz kommissioniert und wollte mit Augenzwinkern den Besuchern des Christkindlmarktes begegnen, die jedes Jahr zur Adventzeit den Waltherplatz bevölkern. "Alle sind glücklich mit ihren Päckchen, doch der religiöse Konnex fehlt", erklärt Thomas Stürz von der Diözese Bozen.

Der Protagonist des Kurzfilms ist Egon, ein blonder Bub mit blauen, verschwommenen Augen und komplett unbekleidet. Er ist eingetaucht in nebulösen Überblendungen, die die Formen eher erahnen lassen, als dass sie gezeigt werden. Dieser "Nebel" wurde erst nachträglich eingefügt: Die Diözesanräte glaubten damit Polemiken zu verhindern.

Einen Fürsprecher findet das Werk laut "Repubblica" in Alessandro Riva, Kunstkritiker aus Mailand: "Wenn man in Bozen das letzte Video von Aron Demetz, einem Künstler von größter Sensibilität, für 'schockierend', 'beunruhigend', 'von schlechtem Geschmack' und sogar 'an der Grenze der Pädophilie' hält, dann sind wir hier in Mailand gerne bereit, das Werk aufzunehmen. Wenn es der Diözesanrat erlaubt, sogar im Inneren des Domes. Ich bin sicher, dass Erzbischof (Kardinal Dionigi) Tettamanzi ein so poetisches, delikates und die wahren christlichen Werte so intelligent interpretierendes Werk als perfektes Symbol für Weihnachten sieht", sagte Riva gegenüber "La Repubblica". Doch das Werk soll Südtirol nicht verlassen. Stürz bestätigt, dass es ab kommenden Donnerstag, dem Beginn des Bozener Christkindlmarkts, auf die Außenmauer des Domes projiziert werden wird.

Aber wer ist nun dieser "New-Age-Bub"? "Es ist ganz einfach mein Sohn", lächelt Demetz, der gegen seinen Willen zum Mittelpunkt der Polemik geworden ist. Er wollte laut "Repubblica" mit seinem Video nur dazu beitragen, ein wenig Spiritualität in die Glitzerwelt des Christkindlmarkts zu bringen. Eine Überstellung nach Mailand lehnt er ab. Das Video sei für Bozen konzipiert worden und müsse dort bleiben.

Quelle: Der Standard © APA 28.11.2006

«Pädophilie» Vorwürfe an Paris Hilton

Paris Hilton - Video-Clip

Paris Hilton säuselt einem Buben ein Lied ins Ohr.

Die Veröffentlichung eines Pop-Videos durch die Hotel-Erbin Paris Hilton löst Empörung aus. Im Video-Clip «Nothing in this World» geht es um einen etwa 13 jährigen Jungen, der in der Schule und bei Gleichaltrigen als Loser gilt. In seinem Zimmer hängt das Poster von Paris Hilton und insgehim himmelt er das Starlet an.

Am Ende des Clips zieht Paris Hilton in die Nachbarschaft des Jungen und freundet sich mit ihm an, was dem Jungen ein neues Selbstwertgefühl gibt und seine bisherigen Peiniger neidisch werden lässt.

Im Video tänzelt Paris Hilton offenherzig um den Jungen herum und säuselt ihm ihr Lied ins Ohr. Kritiker werfen Paris Hilton vor, den Jungen zum onanieren zu animieren. Zuviel für Kritker. Eine «Glorifizierung der Pädophilie» sei es, «gruselig» und «ekelhaft» bezeichnen Blogger im Internet den Video-Clip.

Abgesehen davon, dass man über den künstlichen Wert eines Sternchens wie Paris Hilton streiten kann, enthält der Clip keine Aussage, die in irgend einer Form fragwürdig sein könnte. Teenager lieben ihre Idole und kleben sie als Poster an die Wände ihrer Kinderzimmer. Egal ob Tokio Hotel, Pamela Anderson oder eben Paris Hilton. Dass viele Kinder ab 11 oder 12 Jahren vor dem Einschlafen ihre Hände unter statt brav über der Bettdecke haben, ist auch keine neue Erkenntnis. Der Clip zeigt also in diesen Punkten nur die Realität.

Um sich ein eigenes Bild vom Video-Clip zu machen: Youtube "Nothing in this World".

Quelle: 20 Minuten © ITP-pe 28.11.2006

Angst vor Pädophilen

In Görlitz mussten Ausstellungsplakate mit leicht bekleideten Mädchen überklebt werden. Oberbürgermeister Joachim Paulick hatte sich beschwert: In der ostdeutschen Stadt gehe die Angst um, "Menschen mit pädophilen Neigungen" könnten dadurch geradezu angestachelt werden.

Görlitzer Kulturstreit

Ein solches Plakat bringt das Blut von CDU-Politiker in Wallung

Görlitz - Die Geschäftsstelle "Kulturhauptstadt" musste mehr als 300 Plakate im Stadtgebiet mit schwarzer Folie versehen, nachdem sich Paulick (CDU) schriftlich beschwert hatte. Auf dem Plakat für die international beachtete Videokunstausstellung "Die Vergänglichkeit des Schönen" war ein Standbild aus einem Video der Moskauer Künstlergruppe AES+F mit dem Titel "Le roi des aulnes" (Erlkönig) abgebildet. Es zeigt zwei leicht bekleidete Kinder vor barockem Glanz.

Das Bild, befand der einstige Bergmann Paulick, sei "geschmacklos und obszön". In der Stadt gehe die Angst um, "Menschen mit pädophilen Neigungen" könnten geradezu angestachelt werden. Zudem sorgt sich der Christdemokrat um den Sächsischen Familientag, der am Wochenende in Görlitz stattfindet.

Die Ausstellung mit Künstlern wie Una Szeemann, Julia Rosefeld, Bogna Burska und Sam Taylor-Wood war zuletzt im spanischen Salamanca gezeigt - und mit gleichem Plakat beworben worden.

Görlitz war im April gegen Essen bei der Bewerbung um die europäische Kulturhauptstadt 2010 gescheitert. Die Geschäftsstelle ist jedoch noch existent.

Quelle: Spiegel Online © Steffen Winter 18.06.2006

Aufregung um Ausstellung in Berlin

Kunst oder Gewalt? Eine Ausstellung im jahr 2004 «Wehn Love Turns to Poison» im Kunsthaus Bethanien am Mariannenplatz führte zum Eklat. Kinderschutzbund: «Zeichnungen ermutigen Pädophile»

When Love turn Poison

Plakat zur Ausstellung 2004

Kinderschützer sind entsetzt über eine Ausstellung im Kunstraum Kreuzberg im Kunsthaus Bethanien am Mariannenplatz. Teile der Ausstellung «When Love Turns to Poison», ermutigten Pädophile, kritisiert Sabine Walther, Geschäftsführerin des Berliner Kinderschutzbundes. Ausgestellt werden unter anderem Zeichnungen und Malereien, die Kinder in sexuellen Posen und beim Ausüben sexueller Praktiken zeigen. «Die in einigen Exponaten gezeigte Assoziation Kinder - Spielzeug - Sexualität ist eindeutig. Die Veranstalter haben nicht einmal versucht, kritisch Stellung zu nehmen. So wie es jetzt dort steht, wird der Eindruck erweckt, Pädophilie ist in Ordnung», beklagt Frau Walther. Auch die Wahl des Ausstellungsortes sei, ihrer Meinung nach, mehr als fragwürdig. Auf dem Flur, der zum Kunstraum führt, befindet sich eine Musikschule. Dort gehen Kinder ein und aus - in Sichtweite der offenen Türen der Ausstellung.

Nach Angaben der Polizei, die die Ausstellung nach einem Hinweis begutachtet hat, gebe es strafrechtlich jedoch nichts zu beanstanden. Kurator Stephane Bauer vom Kulturamt Friedrichshain-Kreuzberg verteidigt die Schau: «Wir legen es nicht auf einen Skandal an. Es geht um künstlerische Positionen, nicht um die Thematisierung von Pädophilie.»

Das sehen viele Besucher der Ausstellung aber anders. Die Kunstschau leiste ihren Teil, Pädophile weiter zu ermutigen, heißt es in einem Kommentar im Gästebuch. Monika Schick, die die Ausstellung vergangene Woche besuchte, ist entrüstet: «Warum die Stadt Geld für Projekte wie diese Ausstellung bereitstellt, während die Symphoniker schließen müssen, verstehe ich nicht.» Die Mahlsdorferin weiter: «Die Ausstellung findet in relativ kleinen Räumlichkeiten statt, die man erst über einen langen Flur und viele Ecken erreicht. Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier etwas verheimlicht werden soll.»

Frank Gaard

Zeichnung von Frank Gaard

Einer der ausstellenden Künstler ist Frank Gaard. Von ihm stammen mehrere der kritisierten Exponate. Er weist die Kritik zurück: «Das Problem der Pädophilie kann nicht durch Zensur der künstlerischen Ausdrucksfreiheit behoben werden.» Auch der stellvertretende Leiter des Kulturamtes Friedrichshain-Kreuzberg, Volker Bartz, nahm die Ausstellung in Schutz, gab aber zu, dass der Zugang zum Kunstraum sorgfältiger hätte gestaltet werden müssen. Wiederholt seien Besucher des Kunsthauses unvermittelt in die Ausstellung geraten, da sie die offen stehenden Glastüren am Eingang des Kunstraumes für einen Zugang zu weiteren Teilen des Gebäudes hielten. Die Glastüren würden von nun an geschlossen gehalten und müssten vom Besucher selbst geöffnet werden, sagte Volker Bartz. Auch seien noch deutlichere Warnhinweise an den Türen angebracht worden. Nach Rückfrage bei der Bürgermeisterin und Kulturstadträtin Cornelia Reinauer (PDS), soll die Ausstellung selbst aber unverändert bleiben.

© ITP-pe 2006

Caravaggio in Berlin -
Haben wir zunehmend Probleme mit Nacktheit?

Zur Ausstellung von «Caravaggio in Preussen» im Jahre 2001, hingen in ganz Berlin Plakate des berühmten AMOR - politisch der Zeit angepasst - unter dem Bauchnabel abgeschnitten.

Caravaggio 2001

Plakat zur Ausstellung «Carvaggio in Preussen»

Michelangelo Merisi, nach dem Ort Amerighi da Caravaggio kurz Caravaggio genannt 1571 bis 1610 werden so ziemlich die Übelsten Dinge nachgesagt. Ein Totschläger sei er gewesen. Er habe homosexuelle Praktiken begangen und soll auch Strassenkindern gegenüber nicht abgeneigt gewesen sein.

Soweit der Boulevard. Nun zur künstlerischen Betrachtung des AMOR:

Selbstsicher grinst er einem entgegen, der «Amor als Sieger». Sein Blick ist unverschämt, aber doch so charmant! Keck neigt Amor seinen Kopf zur Seite. Ein lebendiger, frecher, selbstbewusster, nackter Knabe. Nicht vergöttlicht, nicht abgehoben, wie Bagliones «Der himmlische Amor besiegt den irdischen Amor» - die empörte Antwort aus der selben Zeit. Nein, Caravaggios Amor hat es nicht nötig entrückt zu erscheinen. Er ist als Knabe, in seiner Lebendigkeit und Natürlichkeit authentisch bis hin zum Dreck unter den Zehennägel. Schon zu Zeiten Caravaggios war das Bild ein Skandal, nicht etwa weil der abgebildete Jüngling unverschämt sein Geschlecht präsentiert, mehr weil bis dahin ein so realistischer Stil nicht bekannt war.

Amor der Sieger

Amor in seiner vollen Pracht findet man hier

Die ganze Komposition des Bildes drückt aus, dass nichts mehr zählt als die Liebe. Kriege, Geschäfte, Krankheiten, Unglücke, Erfolge, Reichtum - über all das triumphiert Amor. Wir glauben, dass Amor der Held, der Triumphator, der Verführer und Rebell, der selbst heutige Moralisten die Schamesröte ins Gesciht zu treiben vermag, wie die schamhafte Darstellung der Berliner Plakate beweist, es verdient hat in seiner vollen Pracht hier dargestellt zu werden.

Wie lange wir das Bild hier präsentieren können ist ungewiss. Vielleicht werden schon bald emsige Kinderpornojäger auch dieses Bild als Kinderpornografie kritisieren. Schliesslich steckt doch «hinter jedem Bild ein Missbrauch»!

Ein Künstler, der heute ein solches Bild anfertigen würde, sei es mit Pinsel oder mit Kamera, müsste sich warm anziehen, denn eine Anzeige oder eine Denunziation wäre ihm gewiss.

© ITP-pe/pa 2001/06

Skandal um Modeheft: Kunst oder Pornografie? Quelle: «Blick»

vogue

Abgebildetes Bild im «Blick»

Der Blick berichtet im Jahr 1999 über die Aufregung über Fotografien in der Vogue. Die Dezember-Ausgabe von «Vogue» zeigt sechs Fotos von Mädchen. «Märchenspiel», so die Überschrift. Der dänische Starfotograf Torkil Gudnason lichtete seine Töchter in aufreizenden Posen in seinem New Yorker Studio ab. Wunderschön fotografiert, aber nicht jugendfrei: Die deutsche Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften setzte das Magazin auf den Index. Die Dezember-«Vogue» darf in Deutschland nicht mehr an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden.

«Ein schlechter Scherz», findet Karina Berger. «Man müsste die Dezember-«Vogue» für über 18-Jährige verbieten! Die Miss-Schweiz-Mitorganisatorin, Model und Mutter einer fünfjährigen Tochter, erschrak, als sie die Bilder sah: «Sie sind die reinste Offenbarung für Pädophile!» Warum druckt «Vogue» solche Fotos?

Chefredaktorin Angelica Blechschmidt: «Die Sensibilität des Themas habe ich offensichtlich unterschätzt, was ich im Nachhinein sehr bedaure.»

Keine Probleme damit hat der Schweizer Fotograf Giorgio Balmelli: «Ich sehe nichts Sexistisches dahinter. Für «Vogue» würde ich solche Fotos schiessen.»

Monica Congiu, Chefredaktorin von «Meyers Modeblatt», der grössten Schweizer Frauenzeitschrift (Auflage: 121000 Exemplare), würde keine solchen Shootings in ihr Blatt rücken. Aber nur, weil das Thema nicht ins inhaltliche Konzept passt. Congiu: «Mir persönlich haben die Aufnahmen gefallen: zwei kleine Mädchen, die sich auf unschuldige Weise ihrer selbst bewusst sind und die selbstvergessen in ihre natürliche, glücklicherweise noch unverdorbene Lust an der eigenen Schönheit versunken sind. Dass einige darin einen Skandal sehen, ist tragischer Ausdruck unserer teilweise perversen Gesellschaft. Das Verbot der «Vogue» für Minderjährige finde ich schlichtweg lächerlich.»

Zuständig in der Schweiz ist in einem solchen Fall die Polizei. Walter Gehriger, Pressesprecher der Zürcher Stadtpolizei: «Ohne Anzeige schreiten wir nicht ein. Und eine solche liegt meines Wissens in der Stadt Zürich nicht vor.»

«Blick» forderte seine Leser weiter auf Meinungen anzugeben, ob es sich bei den Fotos nun um Kunst oder Pornografie handelt. Den folgenden Leserbrief wagte der «Blick» aber nicht abzudrucken:

© ITP-pa 1999

Ein Leserbrief eines ITP-Lesers.

Ach, Ihr lieben Leute vom «Blick»

Wenn das die schlimmsten Bilder sind, dir Ihr gezeigt habt - und so wie ich Euch kenne, zeigt Ihr die schlimmsten -, dann packt wieder ein. Sexy sollen sie sein, diese kleinen Nackedeis? Wahrscheinlich existieren von Euch Eiferern auch noch Fotos im Familienalbum, wo Ihr Euch nackt auf dem Frottiertuch, auf dem Wickeltisch oder in der Badewanne räkelt. Sexy?

Ihr wisst sicher, was die seriöse Wissenschaft dazu sagt: Pornographie entsteht im Kopf des Betrachters. Pornographisch ist das, was im Betrachter Gefühle der moralischen Entrüstung oder der sexuellen Erregung auslöst. Seid Ihr vielleicht gar pädophil?

Mit freundlichen Grüssen
(Name anonymisiert)

© ITP-pa/pe 1999/06-07

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