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Aktuelle Beiträge / Archiv / Kinder

Unicef-Studie 2006

Unicef veröffentlicht eine Studie mit schockierenden Zahlen zu Gewalt gegen Kinder.
Den Schweizer Zeitungen ist es kaum eine Meldung wert.

Gewalt gegen Kinder

Berlin. Gewalt gegen Kinder ist in vielen Ländern an der Tagesordnung: in 31 Staaten sind immer noch körperliche Strafen vom Auspeitschen bis zu Amputationen erlaubt; allein 2002 wurden weltweit 53'000 Kinder und Jugendliche ermordet. Dies geht aus der ersten UNO-Studie zu Gewalt gegen Kinder hervor, die das Kinderhilfswerk Unicef gestern in Berlin vorstellte. Jährlich werden demnach mehr als 220 Millionen Mädchen und Jungen unter 18 Jahren sexuell missbraucht oder zum Geschlechtsverkehr gezwungen.

Quelle: SDA 4.11.2006 Tagblatt

Sind wir abgehärtet? Ist die Meldung keine Schlagzeile wert? Wollen wir nicht hinsehen?

Laut Unicef ist es in 31 Ländern möglich Kinder auszupeitschen und sogar Amputationen an ihnen vorzunehmen. 220 Millionen Kinder werden jährlich sexuell missbraucht. Die Zahl ist monströs und schlicht inakzeptabel. Und es verwundert nicht, dass die «stärkste Zeitung der Schweiz», die sonst immer sehr schnell dabei ist, wenn man einen Einzeltäter anprangern kann, oder wenn ein Einzelfall für wohlig schauriges Entsetzen im Lande sorgt, diese Meldung von Unicef komplett verschweigt.

Aber nicht nur die «stärkste Zeitung» versagt. Auch andere Zeitungen wie hier zum Beispiel das Tagblatt berichten nicht gerade ausführlich.

Die Zahlen von Unicef:

Während extreme Gewalttaten an Kindern immer wieder für Schlagzeilen sorgen, findet die meiste Gewalt im Verborgenen statt. Die UN-Studie untersucht fünf Lebensbereiche:

Familie: In den Industrieländern ist die Zahl der Todesfälle durch Misshandlungen und Vernachlässigungen in den vergangenen Jahrzehnten zwar gesunken. Doch immer noch sterben hieran allein in Deutschland und England jede Woche zwei Kinder; in Frankreich sind es drei in Japan vier und in den USA 27. Zwischen 133 und 275 Millionen Kinder und Jugendliche sind weltweit jedes Jahr in ihren Familien Zeugen von gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Schule: In vielen Ländern gehören körperliche Züchtigungen nach wie vor zum Schulalltag. Die Schülerinnen und Schüler üben aber auch untereinander Gewalt aus. Körperliche Auseinandersetzungen, Erpressung und Mobbing richten sich dabei oft gegen Kinder aus ärmeren Familien oder Minderheiten. Eine Untersuchung in den USA ergab 2004, dass zwischen drei und zehn Prozent der Kinder auf dem Schulgelände Waffen mit sich führten.

Heime und Gefängnisse: Schätzungsweise acht Millionen Kinder wachsen in öffentlichen Einrichtungen auf – in Waisenhäusern, Kinderheimen oder Internaten. Etwa eine Million von ihnen sitzen in Gefängnissen – weil sie von zu Hause weggelaufen waren, gebettelt oder kleinere Diebstähle begangen hatten. Gerade in ärmeren Ländern herrschen in Gefängnissen oft Überfüllung und katastrophale hygienische Bedingungen. Das Personal ist schlecht ausgebildet und überfordert und wird kaum kontrolliert. Die Heranwachsenden haben meist keine Beschwerdemöglichkeiten und werden monate- oder gar jahrelang ohne Anklage festgehalten.

Arbeitswelt: Kinderarbeit, die die Gesundheit, Sicherheit und soziale Entwicklung der Kinder bedroht, muss selbst als Gewalt angesehen werden. Weltweit arbeiten schätzungsweise 218 Millionen Kinder unter 15 Jahren, um zum Überleben ihrer Familien beizutragen. Rund 126 Millionen von ihnen arbeiten unter „gefährlichen“ Bedingungen. Ausdrücklich weist die UN-Studie auf die Not vieler der über 60 Millionen Dienstmädchen in privaten Haushalten hin, die häufig Schlägen, Erniedrigungen und sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind.

Gemeinde: Stadtviertel mit hoher Arbeitslosigkeit, schlechten Schulen und heruntergekommenen Wohnquartieren bilden überall auf der Welt einen Nährboden für Frustration, Wut und Spannungen, die sich in gewalttätigen Handlungen entladen können. Ein Großteil der Gewalt findet dabei zwischen den Heranwachsenden selbst statt; die meisten Opfer sind Jungen. So ist die Mordrate unter Jungen in der Altersgruppe von 15 bis 17 Jahren etwa dreimal so hoch wie in der Altersgruppe zwischen 10 und 14 Jahren.

Unicef

Unicef

Verweis Zur Unicef-Studie

Schlussfolgerungen von Unicef:

Die Regierungen haben eine besondere Verantwortung, den Schutz der Kinder vor Gewalt sicher zu stellen. Die UN-Studie legt zu allen untersuchten Themengebieten detaillierte Schlussfolgerungen und Empfehlungen vor. Die Hauptforderungen sind:

Gewaltverbot: Alle Formen der Gewalt gegen Kinder von der Prügelstrafe bis zu gefährlichen traditionellen Praktiken wie der Mädchenbeschneidung müssen gesetzlich verboten und die Umsetzung des Verbots überwacht werden.

Keine Todesstrafe: Kein Heranwachsender unter 18 Jahren darf zum Tod oder zu lebenslanger Haft verurteilt werden.

Prävention stärken: Die tiefer liegenden Ursachen von Gewalt müssen stärker bekämpft werden – so zum Beispiel durch Unterstützung von Risikofamilien, Kampf gegen Alkohol- und Drogenmissbrauch und die Einschränkung des Zugangs zu Waffen.

Beratung und Hilfe: Minderjährige Gewaltopfer brauchen Hilfs- und Beratungsangebote einschließlich medizinischer und juristischer Hilfe. Gesundheitseinrichtungen, Jugendämter, Justiz, Schulen und Kindergärten müssen enger zusammen arbeiten.

Weiterführende Links:

Verweis Unicef (Startseite)

Verweis Unicef Studie 2007 über die Situation von Kindern. (PDF)

© ITP-pe 2006

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