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| Wortmeldungen | ||
Flyer zur Podiumsdiskussion
Am 9. Februar 2004 zeigte das stattkino in Luzern den Film Capturing the Friedmans. Nach der Vorführung diskutierten fünf Fachleute und ein Pädophiler über den Film und standen dem Publikum für Fragen zur Verfügung. Mit über 90 Besuchern war die Veranstaltung unerwartet gut besucht. Der Leiter des stattkino, Peter Leimgruber, verfolgte mit der Veranstaltung das Ziel, interessierten Menschen einen Einblick in die Lebenswelt von Pädophilen zu ermöglichen. Obwohl mehrere Journalisten anwesend waren, berichtete ausschließlich die Neue Luzerner Zeitung am 14. Februar 2004 über den Abend, leider nicht ganz objektiv. Denn die Veranstaltung zielte nicht auf das umfangreiche Diskussionsthema sexueller Kontakte zwischen Kindern und Erwachsenen ab, sondern beschäftigte sich mit dem Thema Pädophilie.
Dr. B Hasler: Wenn tatsächlich 3% der Menschen pädophile Neigungen haben, ist es eine Herausforderung, dass wir uns mit dem Thema und den Betroffenen auseinandersetzen, die in der Regel unter extremen seelischen Spannungen leiden. Mit der Verurteilung gehen diese Menschen in die Dunkelzone. Wichtig wären regionale Anlaufstellen mit Fachleuten zu eröffnen, wo solche Menschen sich verstanden fühlten und die Themen Persönlichkeitsentfaltung, Triebleben, Macht, Verantwortung, Selbstwahrnehmung und Respekt vor den Mitmenschen aufgearbeitet werden könnten.
S. Tanner: Leider blieb für die Diskussion viel zu wenig Zeit. Das Publikum hätte mehr davon gebraucht um aufzutauen und Fragen zu stellen. So gab es nur wenige, die sich trauten, einer fiel allerdings besonders auf: Bei ihm spürte ich den Hass gegen Pädophile fast körperlich. Aus Erfahrung weiss ich, dass man solche Menschen nur selten für ein sinnvolles Gespräch erreichen kann. Dieser Mann stellte sich als Angestellter des Männerbüros vor. Er versuchte mich in die Missbrauchsschiene zu drängen, d.h. mir zu unterstellen, ich würde den sexuellen Missbrauch von Kindern befürworten. Er stellte eine Scheinfrage mit der Absicht mich in dieser Richtung zu diffamieren. Herr Griesemer reagierte mit dem Hinweis, dass Pädophile selbstverständlich Opfer seien, wenn man Menschen pauschal verurteile und dass es eine ganze Reihe von Störungen in Reaktion auf ihr Stigma gebe, die eine Beratung notwendig erscheinen ließen, wie ich sie anbieten würde. Sehr angenehm empfand ich die Ehrlichkeit und Offenheit des Amtsstatthalters von Luzern, Herr Georges Frey.
Ich selber konnte mich mangels Erfahrung in solchen öffentlichen Debatten kaum durchsetzen und fühlte mich etwas ausgeschlossen. Die vom Moderator vor Beginn des Films angekündigten Provokationen fielen glücklicherweise weitgehend weg, und durch die dem Ereignis folgenden Reaktionen weiss ich, dass wir mit der Diskussion einiges im Denken anwesender Menschen verändert haben. Dafür bin ich dankbar.
Dipl. Psych M. Griesemer: Die Veranstaltung hat einige Menschen nachdenklich und neugierig gemacht. Der Moderator der Podiumsdiskussion versuchte mich zum zwielichtigen Verharmloser von sexuellem Kindesmissbrauch abzustempeln.
P. Erni: Die Diskussion war leider viel zu kurz. Besonders in Erinnerung wird mir bleiben, wie einige junge Menschen mir nach dem Podium im Foyer spontan zu meinem Mut gratuliert haben und in einer sympathischen und offenen Art noch Fragen zum Thema Pädophilie gestellt haben. Alleine für diese jungen Menschen war es das Risiko wert, öffentlich aufzutreten.
Weiterführende Links:
Neue Luzerner Zeitung vom 14. Februar 2004 zur Podiumsdiskussion im stattkino
Wie üblich reagiert die Presse indem sie als Ausgleich jemanden interviewt, der kaum Erfahrung mit Pädophilen hat und dennoch als "Fachmann" auftritt. Sie tut das bezeichnenderweise nach einer Diskussion in der wir den Medien vorwerfen, nicht mit dem Thema umgehen zu können.... Dass es sich beim Interviewten ausgerechnet um diesen Herrn aus dem Männerbüro handelt, der mit seiner verhaltenen Aggression bereits an der Podiumsdiskussion aufgefallen ist, erstaunt mich nicht wirklich. Nach 10-jähriger Tätigkeit kann ich allerdings garantieren, dass sich kaum je ein Pädophiler zu einer Beratung dahin verirrt hat. Sylvia Tanner
Filmvorstellung
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