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Dipl.-Psych. M. Griesemer.
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Gegen Ende des Jahres 2000 erreichte das Beratungsteam von ITP-arcados eine Anfrage des Psychologen und damaligen Leiters des Zürcher Alfred Adler Instituts Markus Dieth. Herr Dieth bat um Unterstützung bei einer empirischen Untersuchung, in deren Mittelpunkt Entstehung, Lebenssituation und mögliche Therapieansätze einer pädophilen sexuellen Orientierung stehen. Herr Dieth konnte bei der Ausarbeitung seines Untersuchungsdesigns von der langjährigen Beratungspraxis der Beratung für Pädophilie profitieren. Schliesslich ist es gelungen, über 30 mit der Beratung für Pädophilie in Kontakt stehende Männer zur Mitarbeit an der Untersuchung entweder in Form von Interviews oder durch Beantwortung des Fragebogens zu gewinnen. Im Herbst 2004 sind die Ergebnisse der Untersuchung in Buchform im Asanger Verlag erschienen.
Kurzbeschreibung:
Da eine moralische Verurteilung der Vorliebe für Knaben eine sachliche Erörterung des Themas meist verhinderte, versucht Markus Dieth in diesem Sachbuch das Thema anhand empirischer Studien psychologisch zu ergründen. Anhand der Grundannahmen der Individualpsychologie erforscht die Studie die Dynamiken und Entstehungsweisen der Knabenliebe und deckt damit vielmehr die sozialen denn die sexuellen Motive von homopädophil veranlagten Männern auf. Dabei gliedert sich das Buch in eine Übersicht der Phänomenologie (Begriffsumschreibung, Aspekte, (Selbst-)Verständnis), die Ursachen und Zusammenhänge und Anleitungen für die therapierende Praxis. Somit richtet es sich sowohl an pädophil und homosexuell empfindende Männer, als auch an Sexualwissenschaftler, Psychotherapeuten, Pädagogen und Erzieher.
Rezension ITP:
Der Autor nähert sich dem Thema Pädophilie aus der Sichtweise der durch Alfred Adler begründeten Individualpsychologie. Er trägt drei Hauptgesichtspunkte der Individualpsychologie an die homopädophile Orientierung heran: Das Minderwertigkeitsgefühl, das Gemeinschaftsgefühl und das Geltungsstreben. Aus der individuellen psychischen Entwicklung im Kindesalter ergibt sich laut Dieth im späteren Leben der Umgang mit diesen drei Hauptgesichtspunkten eines jeden seelischen Phänomens. Der Autor geht bei Pädophilie vom Vorhandensein einer neurotischen Störung aus, bei der das Individuum durch die homopädophile Orientierung ein Bewältigungskonzept für Probleme des Selbstwertgefühls und mangelnde Kontaktfähigkeit gefunden hat. Daher bezeichnet Dieth die homopädophile Orientierung zunächst als subjektiv sinnvolles Bewältigungskonzept. Hauptaspekt der Stabilisierungsfunktion ist laut Dieth allerdings nicht die sexuelle Komponente sondern die emotionale Komponente der homopädophilen Orientierung. Die empirischen Ergebnisse der Untersuchung stützen die Auffassung, dass der Beziehungswunsch der Probanden primär nicht sexueller Natur ist. "Die Beziehungsmotivation der Probanden hat primär wenig mit Sexualität zu tun. Sie sehnen sich vielmehr nach ehrlicher Zuneigung, Respekt, Vertrauen und körperlicher Nähe zum Knaben und wollen sich von ihm ganz einfach verstanden wissen. Das Motiv der Fürsorge überwiegt das der Sexualität klar." (Seite 268) Eine Therapie der homopädophilen Orientierung sollte demnach nicht auf die sexuelle Komponente abstellen, welche lediglich eine Überkompensation darstellt, sondern auf die zugrundeliegenden Defizite des Selbstwertes und der mangelnden Kontaktfähigkeit. Der Autor stellt sich im Fazit des Buches gegen die sich immer weiter durchsetzende Überzeugung der Unabänderlichkeit der pädophilen Orientierung: Er ist von der Möglichkeit des Wandels der sexuellen Orientierung überzeugt, da diese nicht anders strukturiert sei als eine neurotische Störung.
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