† Kondolenzseite Sylvia Tanner

Sylvia hat über Jahre hinweg vielen Betroffenen Halt gegeben und sich mit ganzer Kraft für sie eingesetzt. Hier besteht die Möglichkeit, sich online von ihr zu verabschieden, dem persönlichen Schmerz Ausdruck zu verleihen und ihr ein letztes Mal dafür zu danken, was sie war und an Gutem geleistet hat.

Kondolenzmitteilungen (auch anonym oder unter Deckname) bitte an itpredaktion@rediff.com, Aufschaltung in Kürze.

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Eine Mutter: Man sagt Mütter verfügen über ein unglaubliches Gespür, eine große Empathie, wenn es um ihre Kinder geht. So bemerkte ich recht früh, dass mit meinem Sohn etwas nicht stimmte, was ich natürlich auch etwas verdrängte. Und zwischen der ersten Vermutung und der tatsächlichen Offenlegung war es „ruhig“ um ihn. Als die Zweifel erneut ausbrachen und sich meine Sorgen wieder fokussierten sprach ich meinen Sohn ein weiteres Mal an. Diesmal offenbarte er sich mir zum Glück, denn ich wollte schon Außenstehende um Hilfe fragen. Der erste Schock war groß. Ich sah schon die Schlagzeile in der Zeitung, sah schon meinen Sohn wegen Missbrauchs im Gefängnis. Es ging ihm zu diesem Zeitpunkt psychisch nicht gut und so kam die Angst um ihn dazu, dass ich ihn verliere. Also habe ich mich nochmal in Ruhe mit ihm hingesetzt, nachdem der erste Schock vorüber war, und wir haben lange geredet, wobei auch Sylvia zur Sprache kam, die mir sofort angeboten hatte mit ihr in Kontakt zu tre ten. Da ich durch ihre Seite und von meinem Sohn erfuhr, dass es einen Unterschied zwischen Pädophilen und Kinderschändern gibt war ich beruhigt und auch, weil ich ein sehr großes Vertrauen zu meinem Sohn habe. Inzwischen habe ich mich an seinen „Lebensstil“ gewöhnt, auch wenn mir „Schwiegertöchter“ fehlen. Ich habe durch ihn interessante Menschen kennengelernt, die so sind wie er. Als er mir erzählte, dass Sylvia gestorben ist, war mein erster Gedanke „Wer hilft diesen Jungen jetzt?“. Sie ist so wichtig für euch und gerade für die Neuen, die eine Anlaufstelle bräuchten.

Ihr Sohn: Ich erinnere mich noch gut an diesen einen Abend. Meine Mutter hakte sehr nach, sodass ich nicht lange an das halten konnte, was ich auf den Foren las. Von Menschen, bei denen ein Outing schiefgelaufen ist, deren Verhältnis zu den Eltern oder teilweise zu der ganzen Familie zerbrach, und doch öffnete ich mich ihr. Ich erzählte von mir, von meiner Neigung, von meiner Sicht- und Denkweise und von dem Teil meines Lebens und Denkens, welchen ich vor allen anderen abschottete. Zuerst dachte ich, es sei ein unglaublich dummer Fehler gewesen. Ich dachte, mit dieser Aktion hätte ich alles schlimmer gemacht und wähnte alles verloren. Jetzt muss ich sagen, dass es gut so ist. Ich rede mit meiner Mutter. Ich spüre, dass sie immer besser damit klar kommt und immer offener wird, je offener ich ihr gegenüber bin. Wir schrieben gerade zu zweit diesen Text und erfahren auf diese Weise viel über das, was der jeweils andere zu diesem früheren Zeitpunkt dachte und durchleben musste. Und ich verdanke es Sylvia, dass es meine Mutter so gut aufgenommen hat, denn ohne ihre Hilfe wäre es wohl ungleich zäher und langwieriger gewesen. Mittlerweile kann ich meiner Mutter an die Schulter tippen und ihr zuraunen „Hey guck mal, der sieht doch sweet aus“ und ernte von ihr ein spielerisches Augenverdrehen und ein schwaches Lächeln. Meine Mum ist die beste, denn ihre Augen erfassen zielsicher auch die wenigen süßen Jungs, die ich übersehe. Mein Outing hat meine Mutter und mich noch fester zusammengeschweißt und dabei hat Sylvia ihre Rolle gespielt. Ich könnte ihr nicht dankbarer sein.

Und so legen nun Mutter und Sohn gemeinsam ihre Steine auf den kleinen Haufen der anderen Steine, jeder für sich einzigartig und ungeheuer wertvoll.

Ich, die Mutter, die ihren Sohn als BL kennengelernt hat, gebe einen Heliodor, der nach seiner sonnengelben Farbe, griechisch „helios“ – Sonne, benannt ist als Symbol für das helle Licht, das Sylvia für die Hilfesuchenden unter euch und uns darstellt.

Ich, der Sohn, der immer besser mit seiner BL zurecht kommt, lege einen Sodalith dazu, dem man die Kraft zuschrieb, die Gedanken auf den Empfang innerer Betrachtung und intuitiver Erkenntnisse vorzubereiten. Durch die Klärung des Gemüts sollte er zu tieferem Nachdenken beitragen und zu logischen Schlussfolgerungen führen, mit der Sylvia auch geholfen hat. Er hat die Farbe des Nachthimmels.

(Einem alten jüdischen Brauch zufolge legen Bekannte der Verstorbenen einen kleinen Stein auf das Grab und erzählen eine Geschichte über sie).

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Liebe Sylvia, eine sonderbare Person wie Dich gibt es kein zweites Mal. Du hattest wenig Friede in Deinem Leben. Nun solltest Du ihn haben. Zuletzt sind Deine frueheren Feinde demuetig geworden. Trotz allem hatten Wir oft glueckliche Tage.Und trotz Deinem Tode wirst Du mich immer begleiten. Friede sei mit Dir H.

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Liebe Sylvia, ruhe in Frieden. Du bist nun von uns gegangen und wir werden Dich immer in Erinnerung behalten. Wir haben immer mal miteinander telefoniert, Du hast mir geholfen mit deinem Zuhören und Ratschlägen. Einmal durften wir uns persönlich kennenlernen.

Liebe Sylvia, Du wirst für immer einen Platz in meinem Herzen haben. Ich werde Dich immer in Erinnerung behalten. Ich möchte hiermit Ihrer Familie und Ihren Kindern mein tiefstes Mitgefühl Ausdrücken. Lasst Sie uns in guter Erinnerung halten und jedes Jahr an Sie denken. Frosi03

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Der Familie, Freunden, Bekannten und allen, die um Frau Sylvia Tanner trauern, möchte ich an dieser Stelle mein ehrliches und herzliches Beileid aussprechen, in der Hoffnung, es möge sich eine würdige Nachfolge finden, die ihr Werk in ihrem Sinne fortführt. Lothar Ebermann

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R.I.P. Sylvia. Auch wenn wir gewisse Meinungsdifferenzen hatten pflegten wir einen freundschaftlichen Umgang. Letztlich hast du unzähligen Menschen aus vielen, vielen Ländern geholfen, und so wie bei diesen ist auch mein Schmerz mit keinen Worten dieser Welt ausdrückbar. Viele sagen, unsterblich sei niemand, aber durch deine Liebe und dein Engagement bist du wahrhaft unsterblich geworden. Christian Unger

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Ich hatte leider nicht das Glück, Sylvia persönlich gekannt zu haben. Immerhin, es gab einen kurzen email Kontakt zwischen uns, den ich aus reiner Neugierde begonnen hatte, weil ich wissen wollte, wer diese mutige und bewundernswerte Frau eigentlich war. Er war getragen von beiderseitiger Herzlichkeit, von der Hochachtung, die ich Sylvia entgegenbrachte, und der der unvoreingenommenen Offenheit, mit der sie mir begegnete. Aus ihren Ratschlägen sprach die Erfahrung, die sie im Lauf der Jahregesammelt hatte. Ihre positive, bodenständige, lebensbejahende Art konnte einem Mut machen, das Leben trotz aller Hindernisse zu meistern. Sylvia hat niemals sexuellen Missbrauch an Kindern verharmlost, niemals radikale Standpunkte pädophiler Aktivisten vertreten. Im Gegenteil. Sie sprach sich stets strikt gegen sexuelle Kontakte zwischen Kindern und Erwachsenen aus. Dass sie sich dennoch so engagiert für Pädophile eingesetzt hat, zeigt ihre menschliche Größe. Sie hat niemanden vorverurteilt, nur auf Grund seiner sexuellen Orientierung. Ich glaube sie war einer der ganz wenigen nichtpädophilen Menschen, denen es gelungen ist zu verstehen, was es bedeutet, pädophil zu sein. Die in uns die Menschen gesehen hat, die wir sind, und nicht verabscheuungswürdige Monster. Liebe Sylvia, mit Dir verlässt ein heller Stern der Menschlichkeit und der Vernunft diese Welt. Ohne Frage wird es hier ein Stück dunkler sein ohne Dich. Sicher hast Du inzwischen mit Genugtuung festgestellt, wie verdammt Richtig Dein Weg hier auf Erden war.Die Besten gehen leider immer viel zu früh ... Anonymus

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Ich wünsche der Trauerfamilie herzliches Beileid und möchte auch noch ein paar Worte an Sylvia richten… ich wähle bewusst die persönliche Anrede, denn so wird am Besten deutlich, was für ein bedeutsamer Mensch Sylvia für mich war. Also, Sylvia, hier sind meine Worte des Dankes an dich … ich hatte das große Glück, noch ein paar Wochen vor deinem Tod mit dir telefoniert zu haben und sie persönlich an dich richten zu können, aber es ist mir genauso wichtig, dass andere Menschen, die später von dir hören oder lesen, wissen, was du für ein faszinierender, hilfsbereiter und warmherziger Mensch warst.

Du warst einer der wenigen Menschen, bei dem ich mich voll und ganz akzeptiert gefühlt habe. Dazu sage ich vielleicht kurz etwas zu meiner Vergangenheit, Ich habe in meiner Kindheit schwere (vor allem körperliche) Misshandlungen und Missbrauch erlebt, weshalb sich meine Sexualität zuerst nicht richtig entwickeln konnte und ich nur sexuelle Anziehung zu kleinen Mädchen und Jungen verspürte und weshalb ich den Kontakt zu meinen Eltern – auch mit deiner Unterstützung – aus Selbstschutz abgebrochen habe. Ich weiß, dass Pädophilie auch teilweise „genetisch“ bedingt sein kann und eine normale sexuelle Ausrichtung ist so wie Hetero- oder Homosexualität. Ich war aber ein Ausnahmefall… ich verspüre auch jetzt immer noch starke Zuneigung zu Kindern und arbeite auch gerne mit Kindern, aber die sexuelle Seite kam vor allem dadurch, dass ich Angst vor Erwachsenen hatte und mehrere Traumata erlebt hatte. Mittlerweile sind auch durch Therapien meine sexuellen Fantasien mit Kindern zum Teil weg: ich hatte eine 3 jährige Beziehung zu einer Frau und die pädophile Seite ist zwar ab und zu im Hintergrund, aber ich habe sie voll und ganz für mich akzeptiert, sie ist für mich nichts Schlimmes mehr, eher etwas Bereicherndes.

Du hast mir in all meinen „Irrungen und Wirrungen“ beigestanden und auch dann, als Pädophilie für mich kein Thema mehr war, hast du mich unterstützt, warst immer für mich da, ich konnte dir jederzeit schreiben und sicher sein, dass du mir antwortest – und wenn nicht, dann hast du mir das vorher angekündigt. Deshalb habe ich von dir etwas gelernt, was mir in meinem Leben bisher sehr fremd war: dass es verlässliche Beziehungen geben kann, Menschen, denen ich mich ganz und gar öffnen kann. Ich konnte mir sicher sein, dass das, was ich dir erzählt habe, bei dir sicher aufgehoben war und dass du da warst, egal, in welcher Situation ich war - und dafür danke ich dir.

Ich habe bei dir ein Mal eine Woche gewohnt und mich bisher nur selten so geborgen gefühlt – auch wenn es zum Teil etwas Verständigungsschwierigkeiten wegen unserer unterschiedlichen Akzente gab ;).

Du warst ein Mensch, der offen für andere war – egal, welche Gedanken, Gefühle, Probleme sie haben, hast dich manchmal schon zu sehr für andere aufgeopfert, so dass ich mir Sorgen gemacht hatte, auch deshalb, weil ich gespürt hatte, dass du selber auch unter einigen Dingen gelitten hattest und genug Themen hattest, die dich selbst beschäftigen und die schwer für dich waren – manchmal hab ich mir für dich gewünscht, dass du weniger selbstlos gewesen wärest.

Im Moment bin ich sehr traurig, habe auch viel geweint – aber ich denke, in einer gewissen Zeit wird die Freude überwiegen, dass ich dich gekannt habe, dass ich Kontakt zu dir haben konnte… denn im Grunde ist es was etwas sehr Schönes, auch wenn du jetzt weg bist. Ich erinnere mich auch gerne an deine Worte: Du meintest oft, auch wenn du Mal tot bist, seiest du noch da… in meinem Herzen und würdest „wachen und aufpassen und von oben schauen, wie es mir geht“ ;). Das sind schöne Worte und zugleich spüre ich jetzt schon, dass da was dran ist.

Vielen Dank an meine „Zweitmama“ in der Schweiz! Marvin

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Sylvia Tanner, die Gründerin der Pädophilen-Beratungsstelle ITP, ist am 17. Oktober 2010 von ihrer lange schwelenden Krankheit erlöst worden. Ihre Arbeit wird weitergeführt, von einem Team erfahrener Beraterinnen und Berater.

 

Eine weitere Kondolenzseite findet sich hier, ein Bericht von der Beerdigung hier.

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