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Dipl.-Psych. Michael Griesemer

Nautilus-Studie zur psychosexuellen Kindesentwicklung

Teilfragestellung I: Nichtpädophile vs. Pädophile

Fußnoten

1 Anmerkungen zur Fußnote auf S. 6: Während bspw. die „Narzisstische Persönlichkeitsstörung“ inzwischen inflationär gestellt wird (und hier in gut ¾ der Fälle als zirkulär gestellt gefunden wurde bei diesen Menschen, oft im reinen Analogieschlussverfahren, näheres dazu s. Anm. 2), ist die zweithäufigste Diagnose (paranoide Persönlichkeitsstörung) zumeist artefaktisch. Zugrunde liegen meist paranoide Entwicklungen, die kausal Realitätsanpassungen sind und auf die äußerst feindselige gesellschaftliche Haltung gegenüber diesen Menschen zurückgehen - als sogar alltagsdichte Erfahrung offenbar. So datieren sie bspw. erst ab dem „coming in“, pädophil zu sein oder dem Einsetzen der Strafverfolgung. Zum anderen zeigen englische Validierungsstudien zu den dortigen Behandlungsprogrammen und prognostischen Routinen von Ruth Mann (2006) inzwischen, dass selbst „Gassenhauer“ der forensischen Diskussion um sie seit Jahren wie ein „Empathiedefizit“ oder „kognitive Verzerrungen“ empirisch offenbar nicht zu halten sind; vgl. dazu auch Vogt, 2006).

2 Anmerkungen zur Fußnote auf S. 12: Ein weiteres Beispiel für einen solchen unbedingten Stimulus ist u.U. die Körpergestalt (für deren Bedeutung in Nautilus Ergebnisse vorliegen) - wenn Berichte stimmen, wonach ein “Gestaltmodul im Gehirn” identifiziert worden sei bei der sexuellen Attraktivitätswahrnehmung des Menschen. Hinsichtlich der Körpergestalt unterscheiden sich nicht nur Männer und Frauen, sondern auch die kindlichen und jugendlichen Geschlechtsphänotypen innerhalb eines Geschlechts beträchtlich, wenn nicht sogar zentral. Das beschriebene Paradigma der sexuellen Merkmalskonditionierung könnte damit auch Gestaltmerkmale betreffen - und bei der Pädophilie Beobachtungen erklären, die bislang nur psychoanalytisch im Sinne des “Narzißmus” interpretiert werden: Wie der “Größenunterschied zwischen groß und klein”, der nach Berner einen „zentralen Hintergrund ihrer sexuellen Erregung” bilde. Berner interpretiert dies freudianisch im Sinne einer abgründigen un(ter)bewussten Symbolisation von “mächtig und ohnmächtig, über- oder unterlegen” - zur Argumentation entsprechend bedrohlicher Persönlichkeitsstörungen (im Analogieschlußverfahren: weil „Narzißten“ sich gern „groß und überlegen“ fühlten - als „unbewusste“ Ursache von Pädophilie). Die hier unterbreiteten Überlegungen indessen böten eine reichlich profane Erklärung für dieselben Beobachtungen: Auch Größenunterschiede werden im sexuellen Neurosystem implizit einfach mit konditioniert (nicht anders als Merkmale wie etwa „blondes Haar“ oder dunkler Teint) - so dass sie auch eigenständig oder in der Imagination bereits sexuelle Arousal-Reaktionen auslösen können. Sofern als Gestaltmerkmale nicht bereits selber angeborene Kausalauslöser sind. Mir liegen hier zwei Berichte von Frauen vor, die -wörtlich- “dahinschmelzen” oder “weiche Knie bekommen”, sobald sie vor einem baumlangen Riesen stehen. Ein weiteres Beispiel ist das 8-Jährige (!) Töchterchen eines Freundes, das sich zur Beunruhigung aller bereits im 5. Lebensjahr entsprechend bei hochgewachsenen Männern verhielt, die dort zu familiären Gelegenheiten Gast waren.

3 Anmerkungen zur Fußnote auf S. 43: Als eigener Faktor für artifizielle IQ-Defizite in Untersuchungen sind stauchende Effekte auf Testleistungen durch die sog. depressive Pseudodemenz in Rechnung zu stellen – oder Zustände traumatischer Belastung während Testung (hier z.B. bei akuter Strafverfolgungssituation und bei sog. abnormen Haftreaktionen), sowie bei affektiven Extremlagen (hier: im Schnitt gibt es 2/3 Angststörungen und Depressionen bei solchen Menschen laut der Empirie, bis hin zu gefundenen debilisierenden Effekten des Stresses ihrer entsetzlichen Lebenssituation auf ihre Problemlösefähigkeiten im Alltag). Der sexuelle/strafrechtliche Reduktionismus übersieht auch völlig, dass sie dabei zusätzlich durch beendete Liebesbeziehungen in ihrem Erleben traumatisiert sind – kaum weniger als der Normalbürger nach traumatischem Verlust einer unendlich geliebten Person. Die bei Pädophilen immer wieder gefundenen Angststörungen und Depressionen sind eventuell schon ab Manifestation der Pädophilie im Kindesalter in der Entwicklung, wie in Nautilus 40 % ihrer Kindheitsberichte nahe legen (Methode: Auszählung einer Frage zu Kindheitsdepressivität in Kombination mit teils freien Berichten über psychosexuelle Belastungsfaktoren als ihr möglicher Hintergrund). “Glückliche Kindheiten” berichteten auch in der Kontrollgruppe nur ca. 30 %. Bei Pädophilen mit Antwort “unglückliche Kindheit” schlug jedoch die Isolation aus sexuellem Hintergrund zu Buche; in 9 Fällen speziell auch ausdrücklich die Nichtkommunizierbarkeit ihrer psychosexuellen Situation zwischen Lebensalter 12 und 16. Beispielhaft für solche Einblicke seien drei Probanden zitiert: 1) “Ich habe mit 13 gemerkt, dass ich pädophil bin. Das war ein großer Schock für mich. Daraufhin habe ich meine Sexualität dann wohl jahrelang verdrängt”; 2) “Das Schlimmste war, dass ich mit niemandem, niemandem drüber reden konnte. Bis heute nicht”. 3) “Hätte ich damals schon gewusst, was auf mich zukommt und wie mein Leben heute aussieht, dann hätte ich mit 12 das Messer damals nicht aus der Hand gelegt.” (Der Proband bezieht sich offensichtlich auf die sich überschlagende Strafrechtsspirale seit ca. 1992).

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