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Nautilus-Studie zur psychosexuellen Kindesentwicklung
Teilfragestellung I: Nichtpädophile vs. Pädophile
2. Methoden
2.1 Erhebungsmethode
„Nautilus“ (vgl. http://www.itp-arcados .net/nautilus/nautilus.html) ist ein in ca. 90 Minuten zu absolvierender Fragebogen zur psychosexuellen Kindesentwicklung. Erfragt werden -mit diversen Beantwortungsmodi und Skalierungen- biologische wie psychologische Faktoren, die literaturbekannt an der kindlichen Psychosexualentwicklung beteiligt sind oder in sie hineinspielen (z.B. sexueller Kindesmissbrauch). Für die vorbeschriebene Fragestellung wurde Nautilus als online-Version Nichtpädophilen und Pädophilen beiderlei Geschlechts und Hauptorientierung vorgelegt, insbesondere auf einer öffentlichen Diskussionshomepage zum Thema Pädophilie mit bekannthin sehr gemischtem Publikum. Pädophile Probanden wurden zuletzt insbesondere auch über einen Aufruf zur Mitwirkung in einem speziellen (legalen) Webforum aus Betroffenen gewonnen. Die Beantwortung wie auch die Rücksendung via Internet erfolgte -abgesehen von Alter- und Geschlechtsangabe- anonymisiert.
Betreffs der hier behandelten Fragestellung hatten die Probanden das Erstauftretensalter des ersten physisch-erotischen “körperlichen Anziehungserlebnisses” in ihrer Kindheit zu einer anderen Person zu spezifizieren (Eigenes Alter, EA1), das Alter dieser “allerersten Person”, auf die es sich seinerzeit bezog (Personenalter, PA1), sowie deren und ihr eigenes Geschlecht.
Aufgrund der Problematik, dass solche ersten Faszinationen einerseits kaum je (geschweige denn zwangsläufig) als von sexueller Natur erlebt werden dürften von Kindern, aber andererseits (von den neurophysiologischen Voraussetzungen im Gehirn her) die eigentlich entscheidenden Prägungen der späteren Sexualität setzen könnten (infolge impliziter, nicht bewusster neuronaler Verarbeitung und Speicherung) wurde in der Instruktion dabei ausdrücklich offen gehalten, ob eine sexuelle Qualität dabei erlebt wurde oder nicht. Vielmehr wurde den Probanden später an anderer Stelle Gelegenheit gegeben, eine solche Qualität ggf. zu spezifizieren. Im Mittelpunkt stand ein Gefühl „magnetischer Angezogenheit“, das jedoch a) als spontan und b) durch das optische Erscheinungsbild bzw. visuelle Einzelreize ausgelöst erlebt sein sollte.
Nach der Spezifizierung von EA1/PA1 wurden die Probanden gebeten, nun die nächsten 4 Personen jeweils zusammen mit Geschlecht, sowie ihrem und dem eigenen Alter seinerzeit anzugeben, von denen solche Gefühle körperlicher Anziehung für sie ausgingen, und zwar exakt in ihrer zeitlichen Abfolge. Auf diese Weise erhielt der Untersucher für jeden Probanden die individuellen Entwicklungsreihen EA1/PA1 – EA5/PA5.
Als Kontrollvariablen für die vorgestellte Fragestellung wurden erhoben:
| SO | Heutige sexuelle Orientierung der Probanden (Androphilie vs. Gynaephilie) |
| Onset S | Auftretensalter der ersten sexuellen Erregung |
| Onset V | Auftretensalter der ersten Verliebtheit |
| Onset P | Pubertätseintritt; biologische Marker: Erste Ejakulation (Männer) / erste Menstruation (Frauen). |
Dem in retrospektiven Untersuchungen stets in Rechnung zu stellenden Faktor “selektive Erinnerungsverzerrung” vor dem Hintergrund der heutigen sexuellen Identität von Pädophilen / Nichtpädophilen wurde vor allem dadurch begegnet, dass den Probanden das Problem ausführlich per Instruktion erklärt wurde, verbunden mit einer Anleitung, gegenzusteuern. Zum anderen wurde eine verdeckte Methode benutzt unter Zugrundelegung, dass solche Effekte bei Personen starker ausfallen müssten, die extrem stark zu vergangenenheitsfixierter (=retrospektiver) Verarbeitung neigen als bei Personen, die dies in extrem geringer Weise aufweisen. Zur indirekten (verdeckten) Kontrolle solcher Einflüsse wurde daher versuchsweise eine eigens konzipierte und zuvor an n=16 diesbezüglich auffälligen Klienten vs. Durchschnittspersonen erprobte Skala (RETRO) eingesetzt, welche Verhaltensweisen mit retrospektivem kognitiven Verarbeitungsstil der Probanden in der Kindheit erfragt: Unter der Annahme, es könne sich um ein stabiles Merkmal handeln, würde es auch beim Erwachsenen entsprechend Einfluss auf die Kindheitserinnerungen haben; in jeden Falle läge dieser Einflussfaktor maximal und zeitlich nahest am Erfragten aus der Kindheit (so dass ein Verzerrungseffekt auf diese Weise am deutlichsten festzustellen wäre).
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