Meta-analytische Studie von Rind, Tromovitch und Bauserman, 1998

Eine Studie lieferte nicht das erwartete oder gewünschte Ergebnis. Dokumentation einer Kontroverse zwischen Wissenschaft und Politik.

Einführung

Eine Studie über den sexuellen Missbrauch von Kindern, die in der renommierten, amerikanischen Psychologenzeitschrift "Psychological Bulletin" veröffentlicht wurde, erzeugte eine unglaubliche Kontroverse. Die darin veröffentlichte, Meta-analytische Studie von Dr. Rind, Dr. Bauserman und Dr. Tromovitch untersuchte anhand von 59 vorhandenen Untersuchungen über College-Studenten, die wissenschaftliche Genauigkeit des Begriffes "sexueller Missbrauch". Die Ergebnisse legten nahe, dass die Schädlichkeit sexueller Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern deutlich geringer ist, als allgemein angenommen. "Sexueller Missbrauch" impliziert nicht zwingend Schaden und für bereitwillige Kinder können sexuelle Kontakte möglicherweise positiv sein.

Die von der amerikanischen, psychiatrischen Gesellschaft APA veröffentlichte Studie, löste eine unerwartete Woge der Entrüstung aus, die sich bis in die höchsten politischen Kreise zog. Dadurch gerieten die APA und ebenfalls die Autoren der Studie unter erheblichen öffentlichen Druck. Die Situation weitete sich so stark aus, dass das U.S. Repräsentantenhaus am 12.7.1999 eine Resolution verabschiedete, die den Artikel und die Schlussfolgerungen zurückwies und auf das Schärfste verurteilte.

Die Studie von Dr. Rind, Dr. Bauserman und Dr. Tromovitch

Im Juli 1998 erschien in "Psychological Bulletin" (Psychologische Neuigkeiten), einem renommierten Magazin der APA (American Psychological Association) eine Studie zum Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern. (1) In der Untersuchung sollte die wissenschaftliche Genauigkeit des Begriffes anhand von 4 damit generell verbundenen Annahmen überprüft werden.

  1. Sexueller Missbrauch von Kindern verursacht Schaden.
  2. Dieser Schaden tritt in allen Fällen auf.
  3. Es handelt sich dabei um immensen Schaden.
  4. Die Erfahrung von Jungen und Mädchen mit sexuellen Missbrauch sind gleichwertig.

Im Besonderen wurden die Beziehungen zwischen sexuellen Missbrauch und späteren psychologischen Problemen analysiert. Benutzt wurde dafür eine sog. Meta-analytische Untersuchung. Ganz grob, eine statistische Studie von vorhandenen Studien. Als Testmenge wurden 59 Studien über amerikanische College-Studenten verwendet.

Damit war es die zweite Studie der 3 Autoren Dr. Bruce Rind, Dr. Robert Bauserman und Dr. Philip Tromovitch auf diesem Gebiet. Bereits 1997 hatten sie eine ähnliche Meta-analytische Studie, anhand von 7 Studien aus der allgemeinen Bevölkerung veröffentlicht. (2)
Die beiden Studien sollten eine Ergänzung der langjährigen Forschungsarbeit von Dr. Bruce Rind und Dr. Robert Bauserman sein. Die bisher vorhandenen, Meta-analytischen Untersuchungen waren in vielen Punkten unzulänglich. Um diese Punkte zu klären, wurden mit Hilfe von Dr. Philip Tromovitch diese beiden Studien durchgeführt.

Für die Testmenge Collegestudien zu nehmen hatte mehrere Gründe. Einmal gaben sie ein gutes, repräsentatives Bild der allgemeinen Bevölkerung wieder, was sich durch einen Vergleich mit der ersten Studie wissenschaftlich bestätigte. Gleichzeitig offerierten die Untersuchungen eine Reihe von mehr Informationen, um die Effekte auf die psychologischen Auswirkungen zu studieren. Zudem waren die Studien auf Grund ihres wissenschaftlichen Umfeldes sehr gewissenhaft durchgeführt.

Die Ergebnisse der Studie, waren in einer kurzen Zusammenfassung folgende:

  • Klinische Daten sind eindeutig nicht repräsentativ für die allgemeine Bevölkerung.
  • Sexuelle Kontakte zwischen Kindern und Erwachsenen sind bei weitem nicht so schädlich wie allgemein angenommen.
  • "Sexueller Missbrauch" impliziert nicht zwingend Schaden.
  • Sexuelle Kontakte können für Kinder positiv sein.
  • Mädchen und Jungen unterscheiden sich signifikant, wobei Jungen sexuelle Kontakte deutlich positiver werten und auch als weniger schädlich empfinden.
  • Sexueller Kontakt mit Kindern hat das Potential in bestimmten Konstellationen schädlich zu sein, schwerwiegender Langzeitschaden ist dabei in der Minderheit.
  • Der Gebrauch von Gewalt, fehlende Einwilligung, inzestuöse Beteiligung bedingen signifikant die negativen Reaktion und Langzeitwirkungen.
  • Längere Dauer der sexuellen Beziehung, größere Häufigkeit der Kontakte oder dabei vorkommende Penetration erhöhen nicht die negativen Reaktionen und Langzeitwirkungen.
  • Festgestellter Schaden lässt sich signifikanter durch die Variable "familiäre Vernachlässigung", als durch die Variable "sexueller Missbrauch" erklären.

Daraus resultierende Überlegungen und Forderungen der Autoren waren:

  • Es ist irreführend die Terminologie "Missbrauch" für alle sexuellen Kontakte zu benutzen, da der Begriff individuellen Schaden impliziert.
  • Wertneutralere Terminologien sollten für die unterschiedlichen Fälle benutzt werden, so z.B. "Erwachsenen-Kind-Sex" bzw. "Erwachsenen-Jugendlicher-Sex".
  • Der Begriff "sexueller Missbrauch" sollte nur für die Fälle wo ein Schaden entstanden ist benutzt werden.

Fazit

Das wichtige an dieser Studie ist nicht unbedingt ihre Aussage. Man kann praktisch jede Studie aufgrund ihrer Methodik kritisieren. Viel wichtiger ist die Einmischung der Politik. Es ist offensichtlich welcher Druck durch Interessensvertreter auf die Wissenschaft ausgeübt wird, um ja nur die richtigen Ergebnisse zu liefern. In Deutschland musste Professor Lautmann genau das gleiche am eigenen Leibe erfahren. Wenn aber die Wissenschaft nicht frei ist. Wenn Wissenschaftler um ihre Karriere bangen müssen, wenn sie nicht die Ergebnisse veröffentlichen, die die Politik sehen will, dann ist die Wissenschaft am Ende.

Erst wenn sich mutige Fachleute zusammenschliessen und sich die Bevormundung durch die öffentliche Meinung nicht mehr gefallen lassen, ist im Bereich Sexualität zwischen Kindern und Erwachsenen wieder objektive Forschung möglich.

 

 

 

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Näheres zu dieser Studie
Aus dem Archiv der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität e.V.

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